Eigentlich können sich die Menschen Wissen unentgeltlich weitergeben. Gerade durch das Internet stehen große Mengen Wissen über Natur und Gesellschaft für alle frei zur Verfügung.
Aber in einer Gesellschaft, in der so vieles zu einer Ware geworden ist, wird ständig versucht, auch Wissen zu privatisieren. So wurden an vielen Universitäten in den letzten Jahren Studiengebühren eingeführt, wodurch der Zugang zu diesen für viele Menschen eingeschränkt wurde. Die Ausgrenzung beginnt dabei bereits mit dem Ende der Grundschule, wenn durch die Einordnung in die verschiedenen weiterführenden Schultypen die weiteren Bildungschancen von noch jungen SchülerInnen vorentschieden werden. Auch wurden die Lernangebote und -methoden an den Universitäten und Schulen in den letzten Jahren stärker auf erwartete Leistungen, Prüfungen, Scheine und Noten hin ausgerichtet und damit die Freiheit von Lernen und Lehren beschränkt. Im Zuge dieser Entwicklung wurde das Verhältnis zwischen der lehrenden und der lernenden Rolle wieder stärker als ein einseitiges durchgesetzt, nachdem dieses in den Jahrzehnten zuvor teilweise aufgebrochen wurde.
Diese Veränderungen zielen auf eine Anpassung der Fähigkeiten und des Wissens von Menschen an die Anforderungen von Unternehmen und des Arbeitsmarktes und auf die exklusive Ausbildung von „Human Kapital“.
Aufgrund dieser Entwicklung kann eine freie, gegenseitige Wissensvermittlung, zunächst besser in selbstbestimmten Freiräumen sinnvoll stattfinden. Dazu möchte die Freie Uni Hamburg einen kleinen Betrag leisten. Sie richtet sich an alle Menschen, besonders auch an diejenigen, die sonst nicht die Gelegenheit hätten, eine Universität zu nutzen. Sie versucht, sich mit dem sonstigen Leben zu verbinden. Die 'Freie Uni' strebt danach, Bildung von der sich weiter verdichtenden Abhängigkeit von Waren und Geld zu lösen.
Es wird in kleinen, selbstorganisierten Gruppen gelernt - in freiwilligen Neigungsgruppen. Hier kann man sich gut kennen lernen. Alle tragen nach ihren Möglichkeiten zu den jeweils selbst gesteckten Bildungszielen bei.
Eine Lerngruppe entsteht, wenn einE AnbieterIn auftritt und sich Leute finden, das angesagte Thema in selbstbestimmter Weise zu behandeln. JedeR kann etwas anbieten oder TeilnehmerIn sein. Die Gruppen können all ihre Lernbedingungen frei gestalten - auch z.B. eine Höchstgrenze der Teilnahme für sich festlegen.
Die Aktiven und Gruppen der Freie Uni Hamburg gestalten ihren gesamten Ablauf mit möglichst geringen Kosten, damit tatsächlich jedeR eine Chance hat, teilzunehmen. Damit dies gelingt, können die Möglichkeiten des Arbeitskreis Lokale Ökonomie (Räume, Kopierer etc.) von den Gruppen genutzt werden. Sie können sich aber auch unabhängig davon und anderswo organisieren.
Menschen können sich in der Freien Uni Hamburg Bildung und Wissen mit Freude und eigenem Nutzen gegenseitig ohne Geld weitergeben. Lernen läuft anders, wenn jemand etwas will, neugierig ist - wenn jemand nicht unmittelbar damit Geld verdienen muss. Lernen läuft anders in gleichberechtigter, freundlicher Atmosphäre. Lernen läuft anders, wenn nicht ein Experte einem fertiges Wissen vorsetzt, sondern man es gemeinsam erarbeitet. Lernen läuft anders, wenn man ,Fehler' machen darf. Das gemeinsame Probieren und Lernen umfasst spannende Wege und scheinbare Umwege.
Die sich weiterbildenden Aktiven können ihr erworbenes Wissen selbstverständlich für ihre Erwerbsarbeit nutzen. Im Rahmen der Freien Uni geben sie sich gegenseitig dieses Wissen umsonst. Wenn die Aktiven wollen, dann können sie dieses Wissen auch weiter einer auf freien, gegenseitigen Hilfen beruhenden Bildung und Produktion umsonst zur Verfügung stellen. Noten, Scheine, Zeugnisse und Leistungsbeurteilungen gibt es an der Freien Uni Hamburg nicht. Wer möchte kann eine beschreibende Teilnahmebestätigung erhalten.
Stand: 10.03.2009