Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg


Projektgemeinschaft gegenseitiger, solidarischer Hilfen

Mittelalter / Gotik

Die Gotik war eine Strömung der europäischen Architektur und Kunst des Mittelalters. Sie entstand um 1140 in der Île-de-France (Gegend um Paris) und währte nördlich der Alpen bis etwa 1500. Die Gotik war eine Epoche der Verbildlichung der christlichen Ideenwelt und bediente sich dabei in großem Umfang der Symbolik und Allegorie. Das Wort „Gotik“ (vom italienischen „gotico“ = fremdartig, barbarisch) als Bezeichnung für diese Epoche wurde erst in der Renaissance durch den italienischen Kunsttheoretiker Giorgio Vasari geprägt, der damit seine Geringschätzung gegenüber der mittelalterlichen Kunst ausdrückte.


Bertram von Minden auch bekannt als Meister Bertram (geb. um 1340 in oder bei Minden (Westfalen); gest. 1414 oder 1415 in Hamburg) war einer der bedeutendsten Maler der Gotik.

Das Hauptwerk ist der so genannte Grabower Altar (seit 1900 im Besitz der Hamburger Kunsthalle), der ursprünglich der Hochaltar in St. Petri in Hamburg war.

Grabower Altar, ca. 1394 (Für Großansicht auf Bild klicken)

Im Mittelalter herrschte ein Bilderverbot in der Öffentlichkeit. Eine Ausnahme davon bildeten Altarbilder in den Kirchen. Diese zielten auf eine Vergegenständlichung, die sinnliche Erfahrbarkeit eines ideellen Inhalts: der Wahrheit des christlichen Glaubensinhalts - die Erfüllung des Lebens im Jenseits. Das irdische Leben galt als Durchgangsphase zur Erlösung. Da die meisten Menschen im Mittelalter nicht lesen konnten, dienten die Altarbilder als Bibel der Bevölkerung. Ihre Funktion bestand in der Popularisierung der christlichen Legenden und Belehrungen. Die Altarbilder erzählen zumeist Geschichten aus der Bibel - im Falle des Grabower Altars von Meister Bertram u.a. die Schöpfungsgeschichte.

Die Maler der Altarbilder wollten nicht ein Kunstwerk erschaffen, sondern einen Gebrauchsgegenstand herstellen. Die Herstellung der Altarbilder erfolgte in einer Werkstatt mit arbeitsteiliger Manufakturstruktur. In diesen Werkstätten gab es Spezialisten für einzelne Elemente, die in ihrem Element eine handwerkliche Meisterschaft erreichten.
Die Bildeinheit wird durch den Goldgrund (symbolischer Gehalt) gebildet. Die Bildzeichen dienen als festgelegtes häufig tradiertes Vokabular der biblischen Erzählung, in den Details (Kleidung, Interieur etc.) sind auch zeitliche Einflüsse vorhanden. Die Bilder haben einen Schrift- bzw. Textcharakter. Die Darstellung der Personen und Gegenstände (z.B. deren Größe) folgt der Bedeutung des Dargestellten innerhalb der Erzählung und nicht der "realistischen" Darstellung der Welt.


Meister Francke: Das Leben von Frater Francke ist kaum urkundlich belegt, lässt sich aber anhand von späteren Hinweisen grob nachvollziehen. Demnach war Francke Dominikanermönch aus Zutphen. Aus stilkritischen Gründen ist eine Ausbildung Franckes in einem Pariser Skriptorium denkbar. Aus der Kopie eines Kaufvertrags über ein Altarbild geht hervor, dass Francke spätestens 1424 in das Kloster St. Johannis in Hamburg eintrat.

Das Hauptwerk von Meister Francke ist der „Thomas Altar des hamburgischen Englandfahrers“ um 1424.

Thomas-Altar, Geburt ChristiThomas-Altar, Martertod des Hl. Thomas von Canterbury
(Für Großansicht auf Bild klicken)(Für Großansicht auf Bild klicken)

Die Funktion der Altarbilder von Meister Francke ist die Gleiche wie bei Meister Bertram. Bei Meister Francke kommt aber zu der reinen Darstellung der Glaubensinhalte ein "Gefühlsinhalt" dazu. Damit wird ein subjektives Vermögen des Betrachters aktiviert und zur Inhaltserweiterung der "Wahrheit" genutzt: Gedanken- und Gefühlsdimension als unauflösliche Einheit.

Der Anteil des Meisters an der Produktion wird größer. Rein handwerkliche Arbeiten werden durchaus noch von den Gesellen erbracht, doch die Ausführung der figürlichen Erzählung liegt in der Hand des Meisters. Francke benutzte den weichen Stil, durch den der Künstler entgegen den früheren, eher starren Formen der Gotik (hieroglyphisch) nach anmutigeren, lieblicheren Ausdrucksformen (subjektivisch) strebte. Diese Milde setzte Francke oft in spannungsvollen Kontrast zur rohen Gewaltdarstellung. Die Mimik und Gestik seiner Figuren ist ausgeprägt. Franckes Werk zeigt Ansätze zur Darstellung von räumlicher Tiefe und zeichnet sich durch die Verwendung kräftiger, prachtvoller Farben aus.


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