Philipp Otto Runge und Caspar David Friedrich sind die beiden wichtigsten Maler der Frühromantik. Beide verwarfen die Regeln des akademischen Klassizismus und beriefen sich stattdessen auf die „reine Empfindung“ des Künstlers. Die Romantiker gehörten mit zur ersten Generation freier Künstler, die nicht mehr als Auftragsmaler des Adels, als Professoren einer fürstlichen Akademie oder als Freunde eines reichen Gönners tätig waren, sondern sich durch den Verkauf ihrer Werke in Galerien ein wirtschaftliches Auskommen schufen.
Philipp Otto Runge, geboren 1777 in Wolgast, entstammte einer Reeder- und Kaufmannsfamilie. Er starb 1810 in Hamburg im Alter von nur 33 Jahren. Runges vielseitige Ideen bezogen sich nicht nur auf die Malerei, er sprach der Kunst eine umfassende Bedeutung für das Leben zu. Runge veröffentlichte eine Farbtheorie und schrieb Märchen. Fast sein gesamtes erhaltenes Werk wird in der Gemäldegalerie und im Kupferstichkabinett der Kunsthalle verwahrt.
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| Selbstportrait, 1802-03 | Die Hülsenbeckschen Kinder, 1805-10 |
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| Die Eltern des Künstlers, 1806 | Der Morgen, 1808 |
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Beginnend in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wandeln sich Standpunkt und Perspektive im Leben der Menschen und finden so auch im Schaffen der Künstler ihren Niederschlag. Als Subjekte im Leben und der Welt stehen sie und erfahren die Erscheinungen in der Natur und der Gesellschaft und erleben die Wirkungen. Die Romantiker waren auf der Suche nach Wahrheit und stellten sich die Frage, wie diese durch Kunst darstellbar sei. Im Gegensatz zur akademischen Strenge der Klassik besannen sie sich auf die Gesetzmäßigkeiten des Natürlichen. Für sie ist die Wahrheit nicht rational, sondern sensibel erfahrbar und der Empfindungsinhalt ist dann darstellbar.
Caspar David Friedrich wurde 1774 in Greifswald geboren. Er starb 1840 in Dresden.
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| Das Eismeer (Die gescheiterte Hoffnung), 1823-24 | Der Wanderer über dem Nebelmeer, 1817 |
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| Wiesen bei Greifswald, 1820-22 | Grabmale alter Helden (Gräber gefallener Freiheitskämpfer), 1812 |
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Es herrschen turbulente Zeiten. Die Ära von Napoléon Bonaparte ist vorbei. Hoffnungen auf bürgerliche Freiheiten, Erneuerung des Rechts- und Staatswesens werden in der Restauration enttäuscht. Der Liberalismus erscheint als Utopie. Eine revolutionäre Tendenz und die Kritik des Rationalismus einerseits und die Tendenz zum Rückzug in die bürgerliche Innerlichkeit und Privatheit andererseits kennzeichnen das ideologische und politische Umfeld. Der neue Standpunkt des Künstlers ist es, Teil des Bestehenden und Erleidender des Geschehenden zu sein (vgl. Die gescheiterte Hoffnung). Von hier aus richtet sich sein Blick in die Welt, auf der Suche nach der richtigen Erkenntnis in der Sehnsucht nach dem harmonischen Zusammenwirken von Mensch und Natur, das ihm nirgends erreicht erscheint. Seine Perspektive ist eine des noch nicht Erreichten, eine Sehnsuchtsperspektive in der das Ziel der Versöhnung als ständige Aufgabe verankert ist. Der Weg ist das reale, die Utopie das sich immer erneuernde Ziel (vgl. Der Wanderer über dem Wolkenmeer). Noch allgemeiner und bis in die neueste Moderne wirksam beginnt hier die Suche nach der „Wahrheit“ im Bestehenden und deren Darstellung. Die Modifikationen der Erkenntnisse ergeben sich durch den jeweiligen historischen Standpunkt und die sich ständig verändernden Bedingungen des Lebens. Sie beeinflussen das Wahrnehmungsvermögen – seine Begrenztheit. Denn nicht die Wahrheit ist subjektiv oder beliebig, sondern die Fähigkeiten des Menschen sind immer beschränkt, geformt durch die bestehenden Bedingungen. Uneingeschränkt ist aber die Verpflichtung zur ständigen Suche nach der Wahrheit.
Auf der Basis der Wahrheitsvorstellung verwirklicht Friedrich eine negative Perspektive der Abwesenheit aller Hoffnung oder gleichzeitig in anderen Bildwerken die „Erwartungsperspektive“ des Ziels in der Zukunft (dunkler Vordergrund - heller Hintergrund). Die Rückenansicht der Figuren ist dabei als Denk- u. Handlungshinweis zu interpretieren.
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