Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg


Projektgemeinschaft gegenseitiger, solidarischer Hilfen

Wie wirtschaften? - Ergebnisberichte

Stand: 26. November 2009

Es soll hier zunächst um eine Untersuchung der aktuell vorherrschenden Wirtschaftsweise gehen. Dabei haben wir versucht, von einem durchschnittlichen Vorwissen von Menschen auszugehen, die sich bisher noch nicht oder kaum damit beschäftigt haben. In unserer Lerngruppe der Freien Uni Hamburg entwickelten wir aus dem Vorwissen der Beteiligten alle Bestimmungen, die auch hier in möglichst fasslicher Weise dargestellt werden. Unsere Ausgangsfragen waren: Was ist Ware? Was ist Geld? Was ist Wert?

Geld - und: Was ist "Wert"?

Wir begannen mit dem Geld. Es interessierte, dessen Bedeutung zu entschlüsseln. Schon nach ein paar Sätzen stießen wir dabei auf den Ausdruck "Wert": Geld "hat Wert" und drückt mit seinem Geld"wert" den Wert der "Waren" aus. Nicht nur Geld, sondern auch Waren scheinen den Wert zu enthalten.

Hier wollten wir uns erst einmal darüber verständigen, was wir meinen, wenn wir von "Wert" sprechen. In der deutschen Sprache hat das Wort offenbar mehrere verschiedene Bedeutungen, die auch in unserem Gespräch anklangen. a) "wert" im Sinne von, es ist mir persönlich "wichtig, bedeutsam" (das ist es mir wert, das ist nicht der Rede wert., auf etwas Wert legen, von Wert (Bedeutung) sein, usw.) b) "Werte" in der Mehrzahl meint Maßstäbe, Grundsätze des Handelns von Einzelnen, Gemeinschaft oder der Gesellschaft und c) Wert bedeutet, das, was in Waren und Geld "drinsteckt", welches wir hier näher untersuchen wollen.

Nur die letzte Bedeutung sollte uns hier interessieren. In der englischen Sprache zum Beispiel wird der "subjektive", persönliche Wert im Sinne von Wichtigkeit, Bedeutung klarer vom Waren- und Geldwert abgegrenzt: Der erstere heißt worth (gleich Wert, Bedeutung, Verdienst, z.B. to be worth the trouble; das kommt aus dem Germanischen) und das zweite heißt value (gleich "Wert, Einschätzung, Kaufkraft, Tauschwert, Preis..."; das kommt aus dem Französischen, letztlich Lateinischen...). Auch im Englischen überschneiden sich die Bedeutungen der beiden Ausdrücke. Aber im Deutschen fällt die Unterscheidung durch im Sprachgebrauch häufige Vermengung der Bedeutungen eines einzigen Ausdruckes ("Warenwert und persönliche / gesellschaftliche Wichtigkeit") etwas schwerer ... Auch im Herkunftswörterbuch des Dudens werden übrigens diese verschiedenen Bedeutungen eher vermischt (vgl. Duden, Das Herkunftswörterbuch, Etymologie, Mannheim 1989, S. 809/10).
Unser erstes Ergebnis war, dass Wert sowohl in den Waren als auch in dem Geld irgendwie drinsteckt. Aber was ist Wert?

Wir begannen jetzt mit einer einzelnen Ware und fingen an, sie als "Gewordene" zu betrachten. Sie "wird" ja nur durch menschliche Arbeiten, die da schrittweise reingesteckt werden. Also muss der Wert irgendwie mit menschlicher Arbeit zu tun haben. Das konnten wir als Zwischenergebnis vorläufig festhalten Aber wie entsteht aus menschlicher Arbeitskraft "Wert"? Zunächst entstehen erst einmal einfach nur nützliche Dinge aus Naturstoffen (Rohstoffen) und verschiedenen aufeinander aufbauenden menschlichen Arbeiten ...

Warum entstehen eben nicht einfach nur "geformte", schließlich für die Menschen nützliche Dinge, also "Güter"? Was macht ein nützliches Ding zu einer Ware?

Wir kamen darauf, dass das durch seine Rolle im Warenaustausch auf dem Warenmarkt geschieht. Auch sieht man den nützlichen Dingen ihren "Warencharakter" nicht an. Als nützliches Ding muss es nützliche Gebrauchseigenschaften für die Käuferin haben. Aber für die Verkäuferin, die es irgendwie über hat und deshalb verkaufen möchte, ist hauptsächlich die Austauschbarkeit auf dem Warenmarkt wichtig. Also die Ware hat als solche zwei grundlegend verschiedene Eigenschaften, die aber beide vorhanden sein müssen, damit es überhaupt eine Ware ist:

1.) die Eigenschaft in verschiedenen Hinsichten nützlich zu sein für die Kaufenden. Diese Eigenschaft nannten wir dann zusammenfassend "Gebrauchswert".

2.) die Eigenschaft austauschbar zu sein gegen andere Ware (oder gegen Geld), die von der Verkäuferin begehrt wird. Diese Eigenschaft nannten wir den "Tauschwert" der Ware.

Wir bestimmten diesen Tauschwert als das bloße Mengenverhältnis, in dem sich eine Ware gegen eine andere Ware austauscht. Die jeweils persönlich bezogene Nützlichkeit des Dinges UND seine Austauschbarkeit in bestimmter Menge machen zusammen die Ware aus.

Geschichtliches zum Warenaustausch und Warenproduktion

Wir gingen hier zu anderen Produktionsweisen zurück, um uns zu verdeutlichen, warum es überhaupt zu einem Warenaustausch gekommen ist und unter welchen Umständen er nötig wurde. Wenn Menschen, wie in der Frühgeschichte, zusammen in einem Stamm, Clan, in einer Großfamilie die zum Leben nötigen Dinge (anfangs meist Grundnahrungsmittel) hergestellt haben, mussten sie diese nicht mehr auf den Markt bringen und sich gegenseitig verkaufen. Jede bekommt, was sie braucht und jede leistet ihren verschiedenen Beitrag zu den gesamten notwendigen Arbeiten. (Nach dem Sesshaftwerden der Menschen war das häufig mit Matriarchaten verbunden, siehe unter anderem die Harappa-Kultur im Indus-Tal und deutlich darüber hinaus mit u.a. über 140 bisher gefundenen antiken Städten; 2800 bis 1800 v.u.Z. siehe : http://de.wikipedia.org/wiki/Indus-Kultur , und: http://matriarchat.net/welt/indien.html)

H.

Geschichtlich ist der Warenaustausch zwischen, nicht innerhalb der frühen Gemeinwesen entstanden. Damals vor 5000 bis 10 00 Jahren, war die Erde (bis auf bestimmte fruchtbare Flusstäler) nur dünn von Menschen besiedelt. Zwischen den kleinen menschlichen Gemeinschaften gab es nur wenige Verbindungen. Sie lebten meist mehrere bis viele Tagereisen voneinander entfernt. Trotzdem hatten die Menschen Kunde von Gütern, die fast überall begehrt waren, aber nur an bestimmten Orten von der Natur gewonnen werden konnten: zum Beispiel Salz; Es wurde nur am Meeresrand und in ganz bestimmten Gegenden in einfachem Bergbau gewonnen. Aber begehrt zur Verfeinerung der Speisen war es überall. Salz ist also gar nicht gemeinsam verabredet herstellbar gewesen. Es konnte nur ausgetauscht werden ... wenn es nicht geraubt oder geschenkt wurde. Andere Produkte des frühen Fernhandels waren: Perlen, Bernstein, schöne Steine, Felle, Elfenbein, Muscheln, Kupfer, Silber und Gold. Wenn die Märkte erst einmal in Gang gekommen waren, wurde hier und da ein Teil der heimischen Produktion nicht mehr zur Selbstversorgung der Gemeinschaft vorgenommen, sondern zunehmend speziell im Hinblick auf den Austausch auf dem Markt. Fernhändler produzierten nicht mehr als Teil der Gemeinschaft, sondern ließen direkt für den Austausch produzieren. Dann gab es in den Gemeinschaften Gemeinschaftsproduktion und Privatproduktion. Letztere ist die Grundlage des Warenaustausches. Mit den Waren, die auf einem Markt ausgetauscht werden müssen, entsteht die Privatproduktion. Wenn voneinander lösgelöst und nicht verabredet produziert wurde, musste sich erst auf den Märkten die gemeinschaftliche und gesellschaftliche Nützlichkeit durch ihre Austauschbarkeit in bestimmter Menge erweisen.

Die in den Waren drinsteckenden Arbeiten

Dann betrachteten wir auch die einzelnen Waren nicht mehr als "Momentaufnahme", sondern in ihrer Gewordenheit. Dadurch kamen wir darauf, dass die Waren alle durch verschiedene, konkrete, menschliche Arbeiten hergestellt worden sind: z.B. ein Schuh durch Schusterarbeit, Getreide durch eine Reihe von landwirtschaftlichen Arbeiten usw. In der Regel steckt in einer Ware inzwischen nicht nur eine einzige menschliche Arbeit, sondern von den Rohstoffen aus der Natur über Zwischenstufen bis zum Endprodukt, eine längere Reihe von aufeinander aufbauenden, verschiedenen konkreten menschlichen Arbeiten. Also, im Hinblick auf die jeweiligen Gebrauchswerte der Waren bestehen sie aus den jeweiligen bestimmten konkreten menschlichen Arbeiten.

Aber was ist mit dem Tauschwert, der die Austauschbarkeit der Waren ausdrückt?? Wenn ich den Tauschwert als "Gewordenes" betrachte, kommt die menschliche Arbeit nur noch als solche von bestimmter Menge in Betracht. Dann ist es egal, welche konkret-nützlichen Arbeiten diese Ware geschaffen haben. Im Austausch gilt die menschliche Arbeitskraft nur noch "als solche", also als abstrakte Arbeit. Wir können also zusammenfassen: Geworden sind die Waren aus menschlicher Arbeit. Diese Arbeit ist im Hinblick auf ihre spezielle Nützlichkeit konkrete Arbeit (z.B. Backen für Brot...) und gleichzeitig im Hinblick auf ihre Austauschbarkeit auf dem Warenmarkt abstrakte Arbeit, menschliche Arbeit als solche, egal welche Arten gerade vorliegen. Das sind zwei grundlegende Wirkungsmomente, zwei Hinsichten ein- und derselben Arbeit, nicht zwei verschiedene Arbeiten. Wir haben hier als den "Doppelcharakter" der warenproduzierenden Arbeit gefunden.

Wertinhalt und Wertform - Herausbildung des Geldes durch Verallgemeinerung der Rolle der Äquivalentform

Der Wertinhalt ist also menschliche Arbeitskraft. Aber wie zeigt sich der Wert im Austausch? Welche Form, also welche Gestalt nimmt der Wert im Austausch an?? Offenbar erscheint er nur in einem bloßen Mengenverhältnis: Eine Ware von bestimmter Menge tauscht sich gegen eine andere Ware von bestimmter anderer Menge aus. Wenn aus einer der beiden Waren "Geld" wird, ist an diesem Verhältnis nichts Grundlegendes geändert.

Um die Form der Erscheinung des Wertes näher zu untersuchen, betrachteten wir noch einmal genauer das Verhältnis der beiden Waren auf dem Warenmarkt. Ihre dahinter stehenden Besitzerinnen ließen wir zunächst weg, um sie später wieder hinzuzufügen: Als Beispiel haben wir eine getöpferte Tasse und einen großen Zuckerpott gegenüber aufgestellt. Es könnten auch alle anderen Waren der "Warenwelt" sein, wenn sie nur in das Mengenverhältnis gebraucht werden können, mit dem die beiden Austauschenden einverstanden sind.

Die Tasse drückt ihr "Wertsein" relativ (also bezogen auf...) in einer bestimmten Menge Zucker aus. Wir nennen das relative Wertform. Die bestimmte Menge Zucker drückt im selben Verhältnis mit ihrer körperlichen Gestalt zusätzlich noch das "Wertsein" der Tasse aus (Äquivalentform). Die bestimmte Menge Zucker wird mit ihrer besonderen Gestalt noch Trägerin des Wertes. Dasselbe findet bei zwei beliebigen Waren, die sich aufeinander im Austausch beziehen, noch einmal umgekehrt statt. Die beiden waren drücken ihr "Wertsein" wechselseitig aneinander aus. Immer sind im Austausch beide Rollen im Spiel: die Rolle des Ausdrucks des Wertes durch die gegenüberstehende Ware und die Rolle des Ausdruckes des Wertes an der eigenen besonderen Gestalt, also relative Wertform und Äquivalentform.

Wenn jetzt in der Verdichtung von zahlreichen Austauschakten, bestimmte Waren besonders häufig in Austausch gebracht werden, dienen sie immer häufiger in die Rolle des "Wertzeigers" oder "Wertträgers" für alle anderen auf dem Markte erscheinenden Waren. Die Äquivalentform und die relative Wertform bleiben dann nicht mehr gleich und spiegelbildlich verteilt, sondern einzelne Waren kommen in die Rolle der "Wertzeigeform", der Äquivalentform für tendenziell alle anderen Waren. Schließlich wurden durch die menschliche Austauschpraxis alle Waren in die Rolle des relativen Wertausdrucks gebracht. Und das Silber und Gold kamen in die Rolle des alleinigen "Wertanzeigers" oder "Wertausdrucksmittels", in die Rolle der Äquivalentform. Nachdem so die Geldform (gleich allgemeine Äquivalentform) schon vollständig herausgebildet war, kam schließlich noch ca. 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung (in Kleinasien, der heutigen Türkei) die Münzprägung der jeweilig bestimmten Menge "Goldware" hinzu. Das Geld war als Ergebnis der Austauschakte allmählich von den Austauschenden selbst geschaffen und nicht "erfunden" worden.

Die Warenbesitzerinnen...

Nachdem wir die grundlegende Struktur des Warenaustausches auf Grundlage von Privatproduktion untersucht haben, können wir die unterschiedlichen Interessen der Warenbesitzerinnen hinzunehmen .... Sie treten grundsätzlich in zwei Rollen auf: Käuferin und Verkäuferin. Welche unterschiedliche Interessen machen diese beiden in einem einzelnen zunächst zu betrachtenden Austauschakt geltend??

Warenproduktion und Warenaustausch sind schon vor etlichen Jahrhunderten geschichtlich aufgetreten ohne die vorherrschende Produktionsweise zu sein. Erst als vor gut 300 Jahren ausgehend von West- und Mitteleuropa wurde auch die menschliche Arbeitskraft zur Ware . Dadurch begann sich die Wirtschaftsweise schnell umzugestalten. Was bedeutet das: Menschen verkaufen ihre Arbeitskraft gegen Lohn und andere Menschen kaufen diese Arbeitskraft, besitzen die übrigen sachlichen Produktionsbedingungen und lassen diese Menschen für ihren Nutzen und Vorteil produzieren ??

Beim nächsten Treffen wollen wir uns dieses Verhältnis von Lohnarbeit (Erwerbsarbeit) und Kapital ("Arbeitgeber") genauer ansehen. Bevor wir die Personen hinzunehmen, untersuchen wir wieder zunächst die grundlegende Struktur und die davon bestimmten Interessen in diesem Verhältnis ...

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Treffen am 25.08.2008

Wir entschieden uns, die Betrachtung des Verhältnisses von Verkäufer und Käufer für einen späteren Zeitpunkt vorzumerken und befassten uns bei diesem Treffen zunächst mit der Definition von Lohnarbeit und ihrer geschichtlichen Entwicklung.

Festzuhalten ist zum einen die Voraussetzung von Lohnarbeit: Diese ist gegeben, wenn eine Person nichts anderes als ihre eigene Arbeitskraft verkaufen kann. Besitzt jemand eigenen Grund und Boden und kann damit wirtschaften, ist dieses Grundmerkmal von Lohnarbeit folglich nicht gegeben.

Wir stellten einen bestehenden gesellschaftliche Zwang fest, die eigene Arbeitskraft zu verkaufen. Zwar können wir in der heutigen deutschen Gesellschaft hinsichtlich Beruf und Arbeitsplatz wählen und haben festgeschriebene Rechte gegenüber unserem Arbeitgeber, die wir einklagen können. Dennoch ist diese Freiheit nur relativ. Die eigene Arbeit ist eindeutig ein wichtiges Statussymbol. Die Rolle als Arbeitnehmer ist uns verinnerlicht und auch trotz dem „Puffer“ Hartz IV besteht der gesellschaftliche Druck durch Arbeit Geld zu verdienen.

Wir warfen im Folgenden einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung: Auch wenn Menschen seit jeher Handel betrieben, war dennoch nicht immer Lohnarbeit als Ware zu definieren. Während der Kolonialzeit wurde die Waren aus den besetzten Ländern nach Europa importiert. Insbesondere die elitäre Adelsschicht in Spanien profitierte von den Gütern aus den Kolonien. Produziert wurden diese von Bauern, die im wesentlichen in Leibeigenschaft lebten und arbeiteten. Über den Handel verbreitete sich der Reichtum auf weitere Länder Europas, wobei der Schwerpunkt im Handel mit Stoffen lag. In England wurde im großen Ausmaß Schafswolle produziert und verarbeitet, woraus erste Manufakturen entstanden. Wo zuvor die für die Herstellung einer Ware notwendigen einzelne Arbeitsschritte aufgeteilt wurden (zumeist innerhalb einer Bauernfamilie), war nun der gesamte Produktionsprozess unter einem Dach vereint. Die verschiedenen Handwerke existierten auch weiterhin in den Manufakturen, jedoch wurden nun die einzelnen Arbeitsschritte in eine bestimmte Reihe geschaltet, was in der Produktivität wesentlich effektiver war. Die Arbeit der Handwerker entqualifizierte sich auf diese Weise, da in den Manufakturen kaum noch ihre Fachkompetenz von Nöten war und die Arbeit sich nunmehr in Form von immer ein und demselben Arbeitsschritt sehr einseitig gestaltete. Auch angelernte Arbeiter konnten somit in den Manufakturen tätig sein. Die Handwerkerkultur ging nun über in die Hände einzelner Manufakturbesitzer. Folglich lehnten sich die Handwerker gegen die Ausbreitung dieser Betriebe auf.

Dennoch breiteten sich die Manufakturen zunehmend aus, wodurch es den Besitzern an Arbeitskräften mangelte. Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern hatte in England das Bürgertum gegenüber der Feudalmacht einen großen Einfluss. So erhielten die Manufakturbesitzer Unterstützung der herrschenden Politik. Im Zuge dessen wurden Menschen in ganz England von ihrem Land vertrieben und ihrer Einkunftsquellen beraubt. Sie lebten zwar fortan nicht mehr in Leibeigenschaft, besaßen aber auch kein eigenes Land, mit dem sie hätten wirtschaften können. Da sie auf Geld zum Kauf von Nahrungsmitteln angewiesen waren, hatten sie keine andere Möglichkeit als in den Manufakturen zu arbeiten. Mittels der Anhäufung von Kapital konnten nun die Manufakturbesitzer die Arbeitskräfte einkaufen, die ja nun durch die Vertreibungen frei gesetzt wurden.

A.

Siehe auch die Einführung in die Geschichte Englands: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Englands#Wirtschaft_und_Gesellschaft_im_16._Jahrhundert

Und zur ursprünglichen Kapitalanhäufung in England: http://de.wikipedia.org/wiki/Urspr%C3%BCngliche_Akkumulation


Wie wirtschaften? Teil 3

Treffen am 01.10.08

Wir haben bei unserem letzten Treffen das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer betrachtet. Wir haben uns zunächst entschieden bei den Begriffen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu bleiben, obwohl wir bei einem früheren Treffen schon herausgefunden hatten, dass die Begriffe irreführend sind, da der Arbeitnehmer eigentlich seine Arbeitskraft gibt und umgekehrt.

Generell kann man sagen, dass der Arbeitgeber die Arbeitnehmer bezahlt und dafür über den Arbeitsprozess bestimmt. Der Arbeitnehmer bekommt Geld für seine Arbeitskraft und muss sich an die vorgegebenen Strukturen halten.

Der Arbeitgeber beschäftigt die Arbeitnehmer um Geld zu verdienen. Er gibt Geld aus für Lohnkosten und für Sachkosten (Rohstoffe, Miete, Maschinen). Daraus wird dann durch einen bestimmten Prozess ein Produkt hergestellt, was mehr Geld einbringen muss als hineingesteckt wurde. Bei diesem Prozess handelt es sich also sowohl um einen Arbeitsprozess (ein Produkt entsteht) wie auch um einen Geldvermehrungsprozess. Die Quelle der Geldvermehrung ist die Arbeit des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber investiert einen Teil des gewonnen Geldes wieder in die Firma, für ihn ist das Ganze also eine Art Kreislauf.

Das Motiv des Arbeitnehmers bei der ganzen Sache mitzumachen ist, dass er Geld benötigt um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Waren werden gekauft und verbraucht. Für den Arbeitnehmer ist das Ganze also ein endlicher Prozess (Geld verdienen, Waren kaufen, verbrauchen) und nicht ein Kreislauf wie beim Arbeitgeber (Geld verdienen, investieren, Geld verdienen).

Durch die Konkurrenz zwischen den einzelnen Arbeitgebern werden diese zur Modernisierung ihrer Betriebe gezwungen, damit ihre Produkte konkurrenzfähig bleiben. Dadurch haben sich über die Zeit die Produktionsmöglichkeiten gesteigert.


14.10.2008, A.

Nachdem wir das Verhältnis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber betrachtet hatten, haben wir beschlossen, zu diesem Treffen das Verhältnis von Wert und Preis näher zu beleuchten. Zunächst ist festzuhalten: Der Preis kommt durch die Produktionskosten zustande, welche sich zum einen aufteilen in Sachkosten und zum anderen in Arbeitskosten. Damit der Unternehmer Profit erwirtschaftet, muss er somit etwas auf die Produktionskosten aufschlagen. Um jedoch konkurrenzfähig bleiben zu können, wird dieser Aufschlag nicht rein willkürlich festgelegt sondern ist am Markt orientiert. Schließlich müssen die Käufer jenen Preis auch akzeptieren. Somit realisiert sich der Preis über jeden einzelnen Austauschakt.

Unsere Frage war nun: Inwiefern bestimmt der Wert den Preis? Wie schon zuvor festgehalten, ist der Preis einer Ware von der Herstellungskosten abhängig. Sinken nun diese Herstellungskosten, vermindert sich folglich auch der Wert der Ware. Und weiter: Verdoppelt sich die Produktivität einer Ware durch z.B. neue Maschinerie, vermindert sich der Wert der Ware um die Hälfte, da weniger nötige Arbeitskraft sich aus das einzelne Produkt überträgt. Somit stießen wir in unserer weiteren Diskussion auf die Frage: Wonach richtet sich überhaupt der Wert der Ware Arbeitskraft?

Wir nannten 5 Faktoren:

- nach den Kosten zur Befriedigung der Grundbedürfnisse (Nahrung, Kleidung, Behausung)

- nach den Erziehungskosten für die Nachkommen - nach den Kosten für die Gesundheitsvorsorge und Heilung

- nach der Qualifikation der Arbeitskraft

- nach den Kosten für übliche Absicherungen (wie Rente oder Arbeitslosigkeit)

Für diese Faktoren verwendeten wir den Sammelbegriff "Lebensmittel". Der Wert der Ware Arbeitskraft richtet sich nach den zu ihrer Erhaltung und Erneuerung (nachkommen, Bildungskosten) nötigen Lebensmitteln. Wenn also nun die Kosten dieser genannten Lebensmittel billiger werden, sinkt folglich auch der Wert der Ware Arbeitskraft.

Ebenso unterliegt der Preis der Ware Arbeitskraft Schwankungen. Aber der Preis der Ware Arbeitskraft schwankt um seinen Wert.


Wie wirtschaften?

27.10.08

Beim letzten Mal haben wir uns zunächst mit dem Thema vom letzten Mal, nämlich dem Verhältnis von Wert und Preis der Ware Arbeitskraft beschäftigt.

Der Preis der Ware Arbeitskraft ist der Lohn und dieser schwankt um den Wert, der durch die Kosten von Lebensmitteln (Nahrung, Kleidung, Bildung,… siehe letztes Mal) bestimmt wird. Wenn sich Waren verbilligen, die zu den Lebensmitteln gehören, verbilligt sich auch die Ware Arbeitskraft. Wahrscheinlich wird es über kurz oder lang zu Lohnkürzungen kommen. Hier spielen allerdings dann auch soziale Verhältnisse und Politik eine Rolle. Starke Gewerkschaften können zum Beispiel Lohnkürzungen verhindern. Der Preis der Ware Arbeitskraft kann sich nicht willkürlich von deren Wert entfernen. Sinkt der Lohn auf Dauer unter den Wert, verelenden die Leute und werden abhängig vom Sozialsystem. Ist der Lohn sehr viel höher als der Wert der Arbeitskraft, geht der Arbeitgeber pleite, da er nicht mehr konkurrenzfähig ist. Da Preis und Wert der Ware Arbeitskraft ziemlich nah zusammen liegen, kann der Lohnabhängige nicht viel Geld ansparen und bleibt weiterhin gezwungen seine Arbeitskraft zu verkaufen. Lohnabhängige bleiben also immer Lohnabhängige.

Des Weiteren haben wir am 27.10. das Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer näher untersucht. Zunächst stellt sich hier die Frage nach den Motiven. Der Verkäufer will Gewinn machen und der Käufer möchte seine Bedürfnisse befriedigen. Dabei muss der Verkäufer auf die Qualitätswünsche des Kunden eingehen, um möglichst viel zu verkaufen und eine gute Kundenbindung zu erzielen. Der Käufer möchte möglichst gute Ware möglichst günstig erwerben.

Auf dem Arbeitsmarkt ist der Käufer der Arbeitgeber und der Verkäufer der Arbeitnehmer. Die Arbeitskraft wird gekauft, um vom Arbeitgeber produktiv genutzt zu werden und möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. Der Arbeitnehmer verkauft seine Arbeitskraft und seinen Lebensunterhalt zu decken.

B.


Wie Wirtschaften? 11.11.08

Dieses Mal thematisieren wir den Umlaufprozess des Geldes. Dabei betrachten wir das Geld nicht mehr wie bisher als nur ein Kettenglied, sondern befassen uns mit dem gesamten Zirkulationsprozess von Ware und Geld. In unserer Diskussion definieren wir zunächst 4 Funktionen von Geld:

a) Geld dient der Schatzbildung - das Geld anzuhäufen (z.B. bei einer Bank) gilt als eine Sicherheit

- dabei wird das Geld der Zirkulation zeitweise entzogen

- Ein Schatz kann entweder in seiner Geldform erstarren, oder er wird genutzt, um neue Waren zu kaufen.

b) Geld als Maß der Werte - dient im Prozess als Wertbestimmung, auch ohne dass ein Austausch stattfindet

c) Geld als Maßstab der Preise

- Der Wert drückt sich wie bekannt in der Unterschiedlichkeit der Preise aus.

- Das Geld fungiert somit als Tauschmittel

d) Geld als Mittel zur Kalkulation ("Rechengeld")

Im Folgenden betrachten wir, wie der Kapitalist Geld einsetzt:

Der Kapitalist ist ebenso ein Schatzbildner. Der Kapitalist "hortet" seinen Schatz jedoch nicht, sondern häuft ihn zu einem bestimmten Grad an, um ihn in neue Produktionsmittel zu investieren. Dies dient dem Ziel, Profit zu erwirtschaften. Somit dient Geld als Kapital der Vermehrung. Der Kapitalist häuft daher auch sehr große Werte an, da er u.a. auch Arbeitskräfte, Maschinen, Gebäude usw. kauft. Erwirtschaftet er in diesem Prozess keinen Profit, ist er gezwungen, entweder die Sach- oder die Personalkosten zu senken. Denn tut er dies nicht, ist seine, Firma, sein Konzern nicht überlebensfähig. Ebenso nutzt der Kapitalist einen Teil seines Profits, um seine eigenen Bedürfnisse zu decken. Er kann jedoch nicht seinen gesamten Gewinn zum eigenen Konsum nutzen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss er investieren, da alle anderen Konzerne dies auch tun.

Innerhalb dieses Kreislaufes wird Geld folglich genutzt, um den Produktionsprozess am Laufen zu halten. Dagegen handelt es sich beim einzelnen Kauf-Verkauf-Akt um einen alleinigen Austauschprozess. Danach wandert das Geld weiter, um vom nächsten Verkäufer wiederum Ware zu kaufen. So entsteht die Kette: Ware-Geld-Ware-Geld-Ware-Geld-....... .

Im Gegensatz zum Kapitalisten, der Geld als Vermehrungsmittel nutzt, um weiteres Geld zu erwirtschaften, dient Geld hier als universelles Mittel, um Lebensmittel zu kaufen.

Beim Kapitalisten ergibt sich auch eine Kette: Geld- (Produktion) Waren (deren Verkauf) mehr Geld - (wieder Produktion...) u.s.w.

A.


Am 04.12. haben wir uns mit dem

Thema Zinsen und Aktiengesellschaften

beschäftigt.

Dazu haben wir zunächst versucht rauszufinden, wie Zinsen zustande kommen. Zinsen sind das, was man bekommt, wenn man Geld verleiht oder bezahlen muss, wenn man sich Geld leiht. Geldverleih gab es schon vor dem Kapitalismus. Da war es so, dass man Gebühren zahlen musste, wenn man sich Geld geliehen hat. Das sind dann die Zinsen.

Heute funktioniert das ganze prinzipiell genauso. Es besteht allerdings ein Unterschied ob sich Investoren oder Konsumenten Geld leihen. Leiht man sich als Konsument Geld, muss man die Zinsen vom Lohn bezahlen. Leihen sich Investoren Geld, kaufen sie damit zum Beispiel Arbeitskraft ein. Durch deren Arbeit erwirtschaften die Investoren Gewinn, der dann zum Teil als Zins zurück an die Banken fließt. Die Quelle des Zinses ist also die Arbeitskraft, obwohl es so aussieht, als ob der Zins einfach eine Vereinbarung ist. Der Zins der Konsumenten richtet sich nach den Zinsen der Geschäftskunden.

Desweiteren haben wir verschiedene Begriffe geklärt.

Sparbuch: Dient der Schatzbildung oder als Konsumrücklage ...

Fond: Geld wird gesammelt, um Aktien, Rohstoffpapiere und Staatsanleihen zu kaufen.

Aktie: Anteil an einem Unternehmen mit einem gewissen Mitbestimmungsrecht und Option auf Vermehrung. Einmal im Jahr wird ein Teil des Gewinnes des Unternehmens an die Aktionäre ausgezahlt. Aktien besitzen einen Nenn- und einen Kurswert.

Aktiengesellschaft: Unternehmen was an die Börse geht, um sich so neues Kapital zu beschaffen.

Nennwert: Der Nennwert einer Aktie ist der Preis eines "Stückchens Firma" der Aktiengesellschaft also, die Summe, auf die sich die Dividende bezieht.

Kurswert: Der Kurswert einer Aktie wird durch den Handel an der Börse bestimmt. Es gibt einen ersten Ausgabekurs, dann die schwankenden Notierungen im Börsenhandel

Dividende: Die Dividende wird einmal im Jahr an die Aktionäre ausgezahlt. Es ist ein Teil des Firmengewinnes, deren Verteilung von der Hauptversammlung festgelegt wird. Staatsanleihen: Dem Staat wird (Z.B. von "Privatanlegern"...) Geld zu einem bestimmten festgelegten Zinssatz geliehen. Man erwirbt quasi eine Option auf künftige Steuern.

Staatsanleihen sind nicht Kapital, da von dem Geld kein Produktionsprozess in Gang gesetzt wird. Indirekt werden durch Staatsanleihen hauptsächlich die Lohnabhängigen belastet, da die Zinsen durch Steuern bezahlt werden.

Beim nächsten Mal wollen über die Abgrenzung zwischen Industrie-, Finanz- und Handelskapital sprechen.

B.

Wie wirtschaften?

16.12.2008

Dieses Mal haben wir uns mit dem Industrie-, dem Finanz- und dem Handelskapital beschäftigt.

Industriekapital: Das Industriekapital ist im Vergleich zu den anderen beiden genannten Formen von Kapital noch relativ jung; es existiert seit gut 300 Jahren. Es wird eingesetzt, um - wie schon bereits zuvor beschrieben - mittels Arbeitskraft Profit zu erwirtschaften.

Finanzkapital: Finanzkapital wird mittels Krediten und geliehenem Kapital an die Industrie vergeben. Die Industrie benötigt Geld als Kapital zu unterschiedlichen Zwecken: Einmal zu Beginn des Produktionsprozesses, um die notwendige finanzielle Basis für den Start zu haben. Diese setzt sich i.d.R. aus einem Anteil an Eigenkapital und einem Anteil an Finanzkapital (Kredite) zusammen. Zweitens wird Finanzkapital für Modernisierungsinvestitionen verwendet. Und drittens benötigt die Industrie Warenkredite. Ein Warenkredit wird dann notwendig, wenn Kapital für den nächsten Produktionsprozess benötigt wird, aber die bislang hergestellten Waren noch nicht verkauft sind. Finanzkapital wird daneben ebenso an Privatkunden oder den Staat vergeben. Charakteristisch für das Finanzkapital ist, dass dadurch ein Produktionsprozess in Gang gehalten wird.

Wie das Finanzkapital gibt es auch das Handelskapital seit Beginn der Warenproduktion. Im Unterschied zum Industriekapital wird beim Handelskapital nichts hergestellt, sondern nur ge- und verkauft: Summe (G) -> Einkauf von Waren -> Verkauf von Waren -> Summe' (G') Bis hin zum Endkäufer wird die Ware somit einem Ortswechsel unterzogen, wozu Transportarbeit von Nöten ist. Dass nichts produziert wird, heißt also nicht, dass nicht auch gearbeitet wird. Bei allen 3 genannten Kapitalformen ist stets der Gewinn die treibende Kraft. So zahlt der Handelskapitalist im Kauf der Ware nicht den Endverbraucherpreis. Der Mehrwert schließt die Transportarbeit sowie weitere sich im Preis ausdrückende Summen bis hin zum Endverbraucherpreis mit ein. Das Plus des Handelskapitalisten entsteht aus dem Plus des Industierkapitalisten. Denn die Arbeit des Handelskapitalisten ist eine den Wert und Mehrwert vermittelnde Tätigkeit und zur Realisierung und Erhaltung des Mehrwertes nötig. Folglich wird aus der Summe G die Summe G', ohne dass der Ware an Wert etwas zugesetzt wird. Die Endverkäufer (z.B. im Supermarkt) setzten selbst der Ware ebenso keinen Wert mehr zu; sie sind jedoch nötig für den gesamten Ablauf.

Ein Überblick: Der Handelskapitalist bekommt also die Waren von der Industrie (Industriekapital).. Beim Industriekapitalisten stehen die produzierenden Waren im Mittelpunkt. Die Ware des Finanzkapitalisten ist hingegen das Geld.

Zuletzt stellten wir den Unterschied zwischen dem Wucherer und dem Finanzkapitalisten dar. In früherer Geschichte bestand bei dem Verleihen von Geld gegen eine Gebühr noch keine so enge Verwobenheit mit der Industrie. Wie auch beim Finanzkapitalisten funktioniert beim Wucherer das Geld als Ware, allerdings ist die Quelle des Gewinns eine andere. Der Wucherer ist "bloß" Geldhändler, kein Kapitalist. Der Kapitalist schöpft seinen Gewinn aus der Arbeitskraft. Zu der Zeit als die Arbeitskraft zur Ware wurde, veränderte sich somit auch die Funktion des "Wucherers" grundlegend. Heute läuft der Großteil der Ströme des Finanzkapital über Banken und Großinvestoren..

Bei unserem nächsten Treffen wollen wir genauer definieren, was eine Bank ist und uns ebenso mit dem Leitzins und der Rolle der Zentralbank befassen.

A.

Wie wirtschaften?

14.01.09

Bei unserem letzten Treffen haben wir uns näher mit der Rolle der Banken beschäftigt.

Eine Bank ist für verschiedene Geldgeschäfte zuständig. Sie verwaltet die Konten von Privat- und Geschäftskunden, vergibt Kredite, vermittelt Aktien und Versicherungen an Kunden und die Banken leihen sich untereinander Geld. Die Bank lebt von den Zinsen, die sie durch die Vergabe von Krediten bekommt. Die Einnahmequellen der Bank sind Zinsen von Krediten, Kontoführungsgebühren, Transaktionen (z.B. Überweisungen) und Provision von Aktien- und Versicherungsverkäufen. Die Ausgaben sind Zinsen für Konten und Sparbücher, Personalkosten und Sachkosten (Miete,…). Wie in jedem anderen Unternehmen müssen die Einnahmen immer größer sein als die Ausgaben.

Die Bank wirtschaftet mit dem Geld der Kontobesitzer. Sie kauft Aktien teilweise für die Kunden und teilweise behält sie sie auch selber oder verleiht das Geld an Geschäfts- und Privatkunden. Der Zins, den die Bank für die Kredite bekommt ist Teil des Profites der Industrie. Er realisiert sich durch den Verkauf von Waren. Der Aktienkurs reagiert spekulativ auf künftige Gewinne der Aktiengesellschaft auf dem Warenmarkt (siehe vorherige Treffen). Die Geschäfte der Banken sind nicht durch die Einlagen von Sparern begrenzt. Die Banken können sich auch gegenseitig Geld leihen, wenn die Geschäfte gut laufen. Ist diese Möglichkeit ausgeschöpft, können sie sich Geld bei der Zentralbank leihen, dort müssen die Banken relativ wenig Zinsen zahlen. Der Zins, den die Bank der Zentralbank zahlen muss, wenn sie sich dort Geld leiht, heißt Leitzins und wird von der Europäischen Zentralbank für die Länder des Euroraumes festgelegt. Basispunkte sind die Zahlen hinter dem Koma beim Leitzins. 25 Basispunkte sind also 0,25%.

Ein Bankenkonsortium ist ein Zusammenschluss von Banken, der einen Großinvestor zusammen unterstützt.

Ein Investmentfond ist eine professionelle Institution zur Geldanlage und wird meist durch Banken vermittelt. Viele Leute zahlen in den Investmentfond ein und der kauft mit einer bestimmten Anlagestrategie verschiedene Aktien oder andere Wertpapiere. Zahlt jemand in einen Investmentfond ein, gibt er sozusagen die Verantwortung ab, er muss sich nicht weiter um die Aktien kümmern und das Risiko wird unter den verschiedenen Leuten geteilt.

Beim nächsten Mal wollen wir uns näher mit der Rolle der Zentralbank beschäftigen und über Inflation sprechen.

B.

Wie wirtschaften?

03.02.2009

Wie letztes Mal besprochen, haben wir uns zu diesem Treffen mit der Zentralbank beschäftigt. Zunächst hielten wir fest: Die Zentralbank druckt Geld und bringt dieses in Umlauf.

Weiter näherten wir uns diesem Thema über die historische Entwicklung:

Dafür befassten wir uns mit der Definition der Banknoten. Banknoten entsprechen einer Quittung für Geld in Münzenform. Diese Quittungen / Gutscheine werden als Zahlungsmittel verwendet.

Weiter besprachen wir die Entstehung der Münzen: Münzen dienen als Äquivalentspiegel für die zu handelnde Ware. In früherer Zeit gab es zunächst verschiedene Äquivalentformen wie Bernstein, Salz, Silber oder Gold. Neben dem qualitativen Aspekt war hier ebenso auch der quantitative Aspekt von Belang. Das Gewicht dieser Äquivalentformen war somit das Maß; bestimmte Mengen hatten eine bestimmte definierte Gewichtseinheit. Gold und Silber eigneten sich hierfür am besten. Auch ohne Prägung hatte Gold folglich die gesellschaftliche Funktion der Wertträgerschaft. Mit geprägten Münzen wurde das erste Mal in Kleinasien gehandelt. Hier entstanden auch die ersten Städte, und der Fernhandel spielte eine große Rolle. Die Könige der Stadtstaaten hatten die Oberherrschaft über den lokalen Markt. Die hier geprägten Münzen hatten als Prägung die dementsprechenden Wappen, so dass die zentrale Münzprägung stets bei entsprechender Gewalt lag. So konnte der Marktfrieden garantiert werden.

Mittlerweile haben die Banknoten bezogen auf den Wert einen weitab höheren Umlauf als Münzen. Jahrhundertelang war es notwendig, die von der Notenbanken herausgegebenen Scheine durch Goldreserven zu decken. Dies ist heute nicht mehr der Fall, denn der Warenaustausch mittels Geld basiert vielmehr auf einem Vertrauensverhältnis, welches durch jeden einzelnen Austauschakt erneut reproduziert wird. Die ausgegebene Geldmenge muss schließlich allein die Ware repräsentieren. Bei einem Großteil der von der Zentralbank herausgegebenen Geldmengen handelt es sich weiter auch nicht um Münzen oder Scheine, sondern um reine Buchungen. Der Gegenwert erschließt sich hier in dem Sinne, dass die Banken sich bei der Zentralbank Geld leihen, wenn sie für ihre eigenen Geschäfte (Investitionen etc.) nicht mehr genügend Geld zur Verfügung haben.

Die Zentralbank steht unter Aufsicht der Regierung. Zusammengefasst hat sie folgende Funktionen: - Geld ausgeben - Bestimmte Mengen von Geld in Umlauf haben (Steuerung der Geldmenge) - Bankgeschäfte

Wikipedia nennt weiterhin als Aufgaben der Zentralbank: - Verwahrung der Wertreserven - Finanzmarktaufsicht - Garantie und Förderung eines funktionierenden Zahlungsverkehrs

Beim nächsten Treffen wollen wir das Thema Inflation behandeln.

Wie wirtschaften 03.03.09

Beim letzten Mal haben wir uns mit dem Thema Inflation beschäftigt. Dabei haben wir festgestellt, dass es immer ein bisschen Inflation gibt und die in Deutschland etwa 2% ist. Inflation bedeutet, dass das Geld weniger wert ist und man dafür weniger Waren kaufen kann. Das heißt alles wird teurer.

Wir haben uns gefragt warum das so ist und haben festgestellt, dass es um den Preis einer Ware einen ständigen Interessenkonflikt gibt. Die Verkäufer wollen möglichst teuer verkaufen und die Käufer wollen möglichst günstig einkaufen. Wenn die Herstellungskosten eines Produktes sinken, wird das häufig nicht an den Käufer weitergeleitet, der Preis bleibt gleich. Die Herstellungskosten sinken, da die Entwicklung des Produktes nach einer bestimmten Zeit nicht mehr bezahlt werden muss. Nach oben wird der Preis begrenzt durch den Druck der Konkurrenz und dem was der Käufer zu zahlen bereit ist. Der Verkäufer sitzt bei dem Konflikt um die Höhe des Preises am längeren Hebel. Er besitzt mehr Druckmittel bei den Herstellungskosten und auf die Arbeitskraft und kann durch Absprachen mit seinen Konkurrenten ein höheres Preisniveau halten. Der Preis einer Ware hält sich so oft über seinem Wert. Das Geld was die Käufer z.B. durch den Lohn zur Verfügung haben, steigt zwar auch durch Lohnerhöhungen, aber nicht so stark. Die Lohnerhöhung ist meist unter dem Inflationsausgleich, außerdem hinkt sie zeitlich hinterher.

B.

Wie wirtschaften 24.03.2009

Wir überdenken auf diesem Treffen eine Neuorientierung in unserer Arbeit und nennen zu diesem Zwecke die bisher behandelten Themen: - Warenwert → Gebrauchswert / Tauschwert → Konkrete Arbeit / abstrakte Arbeit → Wertinhalt (menschliche Arbeit) → Wertform (äquivalent / relativ) - die Rolle der Marktmacht behandelten wir am Rande - Geld als Geld, Geld als Kapital → Rolle des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers - Industrie-, Handels- und Finanzkapital - Rolle der Banken sowie der Zentralbank im Speziellen

Als mögliche zukünftige Themen nennen wir: - Was ist Fiktives Kapital? - Wie funktioniert der Weltmarkt? - Thema Discounter / Über-Ausbeutung - Behandlung verschiedener Wirtschaftszweige im Besonderen, z.B. die Pharma- oder Automobilindustrie - Erforschung wirtschaftlicher Alternativen, die ohne Kapitalvermehrung auskommen → Auch bezogen auf das gesamtgesellschaftliche System und nicht nur in Form von Bürgerinitiativen - Vergesellschaftung über Ware und Geld → „Was macht der Kaufs-Verkaufs-Alltag mit unserer Psyche?“ → Kennzeichnung der Besonderheiten dieser Weise der Vergesellschaftung → Psychische Verankerung der Warenfunktion → Aufbauend darauf Alternativen aufzeigen und diskutieren - gemeinsames Lesen und diskutieren von Teilen des „Kapitals“ von Marx

Schwerpunkt bei den verschiedenen Vorschlägen bildete eine gewisse Praxisnähe und Anschaulichkeit. Wir entschieden uns zum nächsten Treffen die Kette „H&M“ zu diskutieren. Die TeilnehmerInnen untersuchen dazu verschiedene Aspekte des Textilunternehmens, die auf dem nächsten Treffen zusammen getragen werden.

A.

Wie wirtschaften 14.04.09

Beim letzten Mal haben wir anhand des Beispiels H&M die Verhältnisse in der Bekleidungsbranche untersucht. H&M hat zwar einen Verhaltenskodex, der die Rechte der Angestellten und Zulieferer regelt und sich vor allem mit dem Verbot von Kinderarbeit beschäftigt, trotzdem sind diverse Verstöße gegen diesen selbstaufgelegten Verhaltenskodex bekannt geworden. Zum Beispiel wird die Baumwolle für H&M in Usbekistan angebaut, wo zum Teil Kinder ausgebeutet werden und in Bangladesch gefertigt, wo die Leute zu Hungerlöhnen arbeiten müssen und zu Überstunden gezwungen werden. Auch in Deutschland sind die Arbeitsbedingungen eher schlecht. Zum Beispiel werden Gewerkschaften unterdrückt und die Mitarbeiter schlecht bezahlt.

Insgesamt ist H&M allerdings ein eher typischer Vertreter seiner Branche. Heute sind die Verhältnisse dort besser als vor 10 Jahren. Aus Angst vor Imageschäden arbeitet H&M auch teilweise mit NGOs wie der Kampagne für saubere Kleidung zusammen.

Durch die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Bekleidungsgeschäften sind diese zum Senken der Preise gezwungen, was wiederum den Druck auf die Zulieferer erhöht die Preise zu senken. Die Ketten, die billige Produkte verkaufen wachsen zurzeit, da die Leute immer weniger Geld und sich nichts anderes mehr leisten können.

B.

Wie wirtschaften? 02. Juni 2009

Bei der heutigen Sitzung behandelten wir die „European Partnership Agreements“ (EPAs). Die Europäische Union verhandelt derzeit mit den Staaten in Afrika, der Karibik und der Pazifik- Region (AKP-Staaten) regionale Freihandelsabkommen, die europäischen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs). Ziel der EPAs ist es, gegenseitige Handelsabkommen zu schaffen, die auch die AKP-Staaten zur Öffnung ihrer Märkte für europäische Produkte, Investitionen und Dienstleistungen zwingen. Mit den EPAs drohen Ungleichheit und Armut in den Ländern des Südens noch weiter zuzunehmen, wie wir an verschiedenen Punkten verdeutlichten und diskutierten. Informationen zu diesem Thema entnahmen wir u.a. http://www.attac.at/uploads/media/Factsheet_EPAs.pdf sowie www.stopepa.de.

Die EU proklamiert das Ziel, lediglich die Vorgaben der Welthandelsorganisation zu erfüllen und die bisher den AKP-Staaten einseitig gewährten Handelspräferenzen zu beenden. Vor allem die AKP-Staaten wären damit zu einem umfassenden Abbau von Importzöllen gezwungen. In manchen Ländern machen diese Zolleinnahmen bis zu 40 % der Staatseinnahmen aus. So besteht die Gefahr, dass Millionen ihre Lebensgrundlage verlieren und die Landflucht weiter verstärkt wird. Schon heute verdrängen subventionierte EU-Exporte auf vielen Märkten die Erzeugnisse aus eigener Produktion. Eine Liberalisierung von Investitionen, striktere Regelungen für geistige Eigentumsrechte oder die Liberalisierung des öffentlichen Beschaffungswesens gefährden darüber hinaus im Rahmen der EPAs massiv die Landwirtschaft in den AKP-Staaten. Auch die wenigen noch bestehenden Industriebetriebe oder das Kleingewerbe werden der europäischen Konkurrenz nicht standhalten können, es droht eine weitere Deindustrialisierung. Der zukünftige Handel mit der EU wird sich nur noch für Billig-Produzenten lohnen, einheimische Produkte sind nicht mehr konkurrenzfähig. Darüber hinaus soll auch der Schutz des geistigen Eigentums verschärft werden, so dass z.B. Patente auf Saatgut die Existenz von Kleinbauern gefährden.

Weitere Folge der Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte ist, dass etwa Schulbücher nicht vervielfältigt werden können. Bildung wird damit zu einem Privileg für reiche Eliten. Europäische Dienstleistungskonzerne im Energie-, Finanz- und Tourismussektor würden der EPAs weitere Möglichkeiten eingeräumt, auf neue Märkte zu expandieren und ihre Investitionen politisch abzusichern. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, das wesentliche Güter wie z.B. im Bereich der Wasser- oder Gesundheitsversorgung privatisiert und weite Teile der Bevölkerung von dieser essentiellen Versorgung abgeschnitten werden. Die EU hingegen argumentiert, dass die EPAs regionale Integrationsprozesse in Afrika unterstützen und auf eine schnelle Integration in den Weltmarkt zielt. Wir bezweifeln dies. Mit dieser politischen Richtung wird eine eigenständige demokratische Steuerung und Umsetzung wirtschaftlicher Entwicklungsstrategien in den AKP – Staaten so gut wie unmöglich gemacht. Bis Ende 2007 sollten die Verträge über die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und 78 Staaten in Afrika, der Karibik und im Pazifik (AKP) abgeschlossen sein. Unter erheblichem Druck der EU haben 20 von 78 Staaten ein sog. Interimabkommen abgeschlossen. Die karibischen Staaten (15) haben ein umfassendes EPA unterzeichnet. Alle übrigen AKP-Länder (63) sollen nun in einer zweiten Verhandlungsrunde Freihandelsabkommen akzeptieren.

A.

Wie wirtschaften? 30.06.09

Beim letzten Mal haben wir uns über verschiedene Alternativen zur herrschenden Wirtschaftsweise unterhalten. Wobei wir erst einmal verschiedene Projekte aufgezählt haben und später noch untersucht werden muss, ob es sich um wirkliche Alternativen handelt. Dazu kann man zum Beispiel den sozialen Umgang untereinander angucken und das Konzept der verschiedenen Projekte und wie dies in die Wirklichkeit umgesetzt wird. Meistens geht es darum eine Alternative zum Geld zu finden und solidarisch miteinander zu wirtschaften, so dass jeder soviel arbeitet wie er möchte und soviel bekommt wie er benötigt. Hier kann man untersuchen wie sich die Solidarität in den verschiedenen Projekten ausdrückt. Es ist schwierig sich vom Äquivalenzdenken zu befreien. Man denkt immer, man muss den gleichen Wert geben, den man bekommt, sonst hat man ein schlechtes Gewissen.. Die Tauschringe haben dieses Problem nicht, da die einfach die Arbeitszeit als Verrechnungseinheit haben. Interessant ist es, wie das in anderen Projekten funktioniert. Weiterhin wollen wir gucken wie man von den kleinen Projekten zu einem großen Ganzen kommen kann. Hier noch mal die Liste, die noch weiter untersucht wird.

- (Land-)Kommunen (Wir haben beschlossen uns nur die Kommunen mit wirtschaftlichen und politischem Veränderungswillen anzusehen.)

- Z.B. Niederkaufungen (etwa 90 Leute)

- Longo Mai

- Selbstverwaltete Projekte und Betriebe der Alternativbewegung der 70er/80er Jahre

- Genossenschaften z.B. Mondragon in Spanien (ein Tal in Spanien mit Industriebetrieben ohne Chefs und Besitzer)

- Tauschringe

- Umsonstläden

- Gruppen mit fairem Handel plus Unterstützung von revolutionären Bauern, Weltläden

- Soziale Zentren (z.B. centro sociale im Karoviertel in Hamburg)

- Projekte nichtkommerzieller Landwirtschaft z.B. der Karlshof (Man sagt am Anfang der Saison was man arbeitet und wie viel Kartoffeln man benötigt.)

- Projektgemeinschaften z.B. AK LÖK in Hamburg, Kubitz Wallenberg und Kesselberg in Berlin

- Kooperativen (Es gibt teilweise sehr große Kooperativen, zum Teil mit eigener Gesundheitsvorsorge. Z.B. Cecosesola in Venezuela

- SSM Köln-Mühlheim (Umzüge, Gebrauchtmöbel und Klamotten)

- Theorieansätze:

- zum Beispiel http://www.keimform.de/ und

- Die Freie - software - Bewegung

B.

Wie wirtschaften? 21. Juli 2009

Wir befassten uns heute mit der Kommune Niederkaufungen. Die Diskussion und unsere Eindrücke stützten insbesondere Britta und Anna auf das Grundsatzpapier der Kommune. Zunächst diskutierten wir die Schwierigkeit, in einer solch großen Gruppe im Konsens Entscheidungen zu treffen. Auch wenn in Niederkaufungen sich zu den einzelnen Themenbereichen Kleingruppen gegründet haben, kann ein solcher Anspruch unserer Meinung nach zu recht zähen Gesprächen führen. Des weiteren sprachen wir darüber, wie viel ein Mensch aufgibt, um KommunardIn zu werden, wie etwa das gesamte finanzielle Vermögen. Sich davon frei zu machen und diesen Schritt zu gehen, ist zweifelsohne eine persönliche Herausforderung. Die Gedanken der Kommune zur Kindererziehung wie etwa die gemeinschaftliche Sorge um ein Kind empfanden wir als sehr positiv.

Außerdem diskutierten wir die Art und Weise des gemeinsamen Wirtschaftens in Niederkaufungen. Die KommunardInnen wirtschaften sowohl nach Innen als auch nach Außen (zur Geldeinnahme). Innerhalb der Kommune ist die Versorgung aus der Großküche mit der wichtigste wirtschaftliche Posten. Allerdings wird geldunabhängiges Wirtschaften als Solidareffekt betrachtet aber nicht als Keimform eines neuen Wirtschaftssystems. Eine eigentliche Wertkritik ist demnach nur bedingt vorhanden; dies wird natürlich innerhalb der Gruppe unterschiedlich gehandhabt. Kommunen oder ähnliche Solidarprojekte sind dem Markt mehr oder minder stark ausgesetzt, sofern sie eben diesen Solidarbereich nicht bewusst stärken. Viele Gruppen gehen zu naiv mit dieser „Gefahr“ um und werden vom Markt letztlich eingenommen. Dass Niederkaufungen nach so vielen Jahren nach wie vor verhältnismäßig stark marktunabhängig wirtschaften kann, liegt an der Größe der Gruppe, die bei Bedarf besser umdisponieren und so eine Marktabhängigkeit abpuffern kann.

Zu unserem nächsten Treffen beschäftigen wir uns mit einer weiteren Kommune / Kooperative: Longo Mai

A.

Wie wirtschaften?

04.08.09

Beim letzten Mal haben wir uns mit der Kommune Longo Mai beschäftigt. Dabei handelt es sich um einen Verbund von Kommunen in mehreren Ländern, die sich hauptsächlich mit Landwirtschaft beziehungsweise mit Schafen und Wollverarbeitung, auch Honig und Wein, beschäftigen. Zwischen den verschiedenen Kommunen gibt es einen freien Austausch der produzierten Güter. Das heißt, dass die Sachen nach Bedarf an die anderen Kommunen abgegeben werden und nicht nach einer marktbezogenen Tauschlogik gehandelt wird. Die Kommunen besuchen sich auch untereinander, um von den anderen zu lernen (z.B. Schafe scheren, schmieden). Des Weiteren gibt es verschiedene antirassistische und internationalistische Projekte, wo die Kommunen zusammen in Aktion treten.

Innerhalb der einzelnen Kommunen sind die Menschen basisdemokratisch organisiert, dass heißt die Entscheidungen werden weitgehend im Konsens getroffen. Innerhalb der Kommunen wird zwar im Kollektiv gewirtschaftet, generell wird der Marktbezug der Güter aber nicht in Frage gestellt und die produzierten Waren werden verkauft, wenn sie nicht selbst verbraucht oder untereinander getauscht werden. Obwohl die Kommunen einen gemeinsamen Namen haben, gibt es kein gemeinsames Konzept oder Grundsatzpapier. Es wird eher praxisorientiert gearbeitet als theoretisch, obwohl der Ursprungsgedanke von Longo mai war, eine globale Lebensalternative für alle aufzubauen. Da wäre es dann die Aufgabe der Kommunen gewesen Grundsätze zu entwickeln, die unter den verschiedenen Umständen (verschiedene Länder/ politische Gegebenheiten…) auch von anderen Gruppen zu realisieren sind.

Die Kommunen sammeln jedoch Erfahrungen, wie der Umgang miteinander gestaltet werden kann und dienen so als Beispiel für andere Menschen.

B.

Protokoll 25.08.2009

Auf dem heutigen Treffen beschäftigten wir uns mit dem Arbeitskreis Lokale Ökonomie. Wir nahmen zur Grundlage die aktuelle Version des Grundsatzpapiers, welches seit einigen Monaten im Rahmen der Projekttreffen überarbeitet wird.

Jede(r) der Aktiven hat einen anderen Ansatz und eine andere persönliche Motivation sich in die Projektgemeinschaft einzubringen und sich an der gemeinsamen Arbeit aktiv zu beteiligen. Ist es für die Einen eine praktische Alternative zur Erwerbsarbeit, steht bei Anderen die Möglichkeit der praktischen Waren- und Wertkritik im Vordergrund. Nennenswerte Teile der eigenen Erwerbsarbeit durch die Tätigkeiten im AK zu ersetzen, ist jedoch bislang nur in Ansätzen gelungen. Gelungen ist es hingegen, in Teilen den persönlichen Bedarf über die einzelnen Teilprojekte decken zu können, und so sich von den Zwängen des Marktes ein Stück zu lösen. Die Deckung der Kosten des AK Lök erfolgt zum einen über Mitgliedsbeiträge, zum anderen über Spenden. Diese Spenden erfolgen in diesem Zusammenhang nicht nur rein finanziell, jedoch sind letztere notwendig, um Raummieten oder etwa notwendige Anschaffungen (wie für einen Transporter) zu tätigen.

Im Rahmen der Überarbeitung des Grundsatzpapiers kam und kommt es zu inhaltlichen Auseinandersetzungen untereinander. Diese auszutragen ist nicht nur wichtig, um den Zusammenhalt in der Gemeinschaft zu stärken. Ebenso ist es vonnöten, diese Kontroversen transparent für alle nach außen zu tragen und zu formulieren. Im Kern gehen die Meinungen häufig an einem Punkt auseinander: Er ist nicht so einfach, sich weitestgehend freiwillig und autonom an einem Projekt zu beteiligen oder sich verbindlich auf bestimmte Absprachen einzulassen, die für alle in der Gemeinschaft gelten. In welcher Form solche Kontroversen in das Grundsatzpapier mit aufgenommen werden, wird zur Zeit innerhalb der Gemeinschaft diskutiert.

Potential zur weiteren Entstehung von Teilprojekten besteht zur Zeit im Rahmen einer Reperaturwerkstatt.

A.

Wie wirtschaften 22.09.09

Beim letzten Mal haben wir uns mir der Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim (SSM) beschäftigt. Dabei geht es um eine Gruppe von etwa 20 Menschen, die gemeinsam in einer ehemalig besetzten Fabrik leben und gemeinsam Umzugs- und Entrümpelungsaktionen durchführen, einen Secondhandladen und ein Tagungszentrum betreiben. Die Gruppe wirtschaftet zusammen in einen Topf aus die gemeinsamen Ausgaben bestritten werden und jeder ein Taschengeld erhält. In einer wöchentlichen Versammlung werden die Aufgabe für die jeweilig nächste Woche verteilt, damit die einzelnen Personen nicht immer das selbe machen müssen und selbst ihre Arbeit bestimmen können. Die SSM finanziert sich komplett selbst durch Ihre Arbeit und teilweise durch Spenden. Es werden keine Leistungen von der Arge oder ähnliches angenommen. In der letzten Zeit gab es Probleme, dass die SSM teilweise durch 1Euro-Jobs (gefördert durch die Stadt Köln) aus dem Umzugsgeschäft verdrängt wurde.

B.

Protokoll 14.10.2009

Auf dem heutigen Treffen beschäftigten wir uns mit der Projektgruppe Karlshof. Ziel des Karlshofes ist es, im Rahmen von nicht-kommerzieller Landwirtschaft einen Teil des eigenen Bedarfs über einen kollektiv organisierten Produktions- und Verteilungsprozess zu decken. Selbstversorgung soll mittels eines geschaffenen sozialen Netzwerkes möglich sein. Der Karlshof gehört zur Projektgemeinschaft PAG ( Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit). Diese erwirbt Immobilien, in denen gemeinschaftliche und selbstorganisierte Wohn-, Lebens- und Arbeitsprojekte erprobt, entwickelt und gelebt werden. An die verschiedenen Projekte werden die Immobilien verliehen. Die Projekte übernehmen somit Verantwortung für diese, ohne selbst Eigentümer zu werden. Der Karlshof produziert in erster Linie Kartoffeln und zwar verabredet in einem Netzwerk. Die Teilnahme an Aktivitäten ist freiwillig und wird an den Fähigkeiten des Einzelnen ausgerichtet. Die Abgabe der produzierten Güter ist ebenso bedarfsabhängig und in jedem Falle unentgeltlich. So wird zu Beginn der Saison angemeldet, in welchem Umfang man bei der Produktion einen Beitrag leisten kann und was der eigene Bedarf ist.

Der Karlshof alleine kann sich (noch) nicht selbst finanzieren. Zur Sicherung sowohl der Produktionskosten als auch der Lebenserhaltungskosten werden Spenden und Patenschaften eingeworben. Zur Zeit sind die Aktiven jedoch noch abhängig von staatlichen und privaten Unterstützungsleistungen. Weitere wichtige Grundlage für ein weitestgehend marktunabhängiges Wirtschaften ist, dass die Gebäude und die Nutzflächen unentgeltlich seitens der PAG übergeben wurden.

Etwa 12 Personen leben und arbeiten derzeit auf dem Karlshof. Die meisten UnterstützerInnen für die Arbeit kommen aus dem nahe gelegenen Berlin. Im Unterschied zu der Kommune Niederkaufungen, mit der wir uns bereits beschäftigten, gehen die Aktiven des Karlhofs mit ihren Produkten nicht auf den Markt und haben im Kern ihres Konzeptes einen sehr marktkritischen Ansatz. Ein Problem besteht im Mangel an Kooperationspartnern, die in der Nähe ansässig sind und ähnliche Handlungsansätze verfolgen, um sich mit diesen vernetzen zu können.

A.

Wie wirtschaften vom 18.11.09

Letztes Mal haben wir uns zunächst mit der Kooperative Cecosesola aus Venezuela beschäftigt. Dabei geht es um etwa 2000 Menschen, die sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen haben und vier Supermärkte mit selbst angebautem Obst und Gemüse und anderen von ihnen hergestellten Lebensmitteln z.B. Nudeln betreiben. Desweiteren gehört zu Cecosesola ein Beerdigungsunternehmen und ein Gesundheitszentrum. Die Entscheidungen, die die Kooperative betreffen werden im Konsens getroffen und Hierarchien möglichst abgebaut. Wir hatten keine Informationen darüber gefunden, inwieweit das mit den Konsensentscheidungen und dem Abbau der Hierarchien funktioniert, konnten uns das aber bei einer so großen Gruppe nicht so richtig vorstellen.

Ansonsten haben wir uns beim letzten Mal mit allgemeinen Fragen beschäftigt, die sich mit den Projekten beschäftigen über die wir bereits gesprochen haben. Kann man in ein menschlicheres System hineinwachsen, obwohl man so nicht sozialisiert wurde? Und zwar sowohl individuell wie auch gesamtgesellschaftlich. Können solche Projekte, über die wir gesprochen haben auch gesamtgesellschaftlich funktionieren? Welche Bedingungen müssen entstehen, um breite Bevölkerungsschichten von der Notwendigkeit alternativer Wirtschaftsmethoden zu überzeugen? Wie soll die Zusammenarbeit in einer anderen Gesellschaft aussehen? (Vernetzung, Verabredung zur gemeinsamen Produktion)

Die einzelnen Personen müssen erst für sich erkennen, dass die momentane Situation so nicht in Ordnung ist und die bestehenden Projekte müssten für die meisten Leute attraktiver werden. In den Projekten scheint eine neue alternative Wirtschaftsweise erst verschwommen durch. Problematisch ist, dass wir alle die herrschende Wirtschaftsweise verinnerlicht haben. Wichtig ist auch, sich untereinander zu vernetzen, damit die bestehenden Gruppen keine kleinen Inseln bleiben.

B.


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