Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg


Projektgemeinschaft gegenseitiger, solidarischer Hilfen

10RegelnfüreineinfachesMiteinander

So funktioniert die Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt ‚Schrott wird flott’

10 Regeln für ein einfaches Miteinander

1.) Wir sind kein Fahrradladen im üblichen Sinne, sondern ein Projekt im Verbund des Arbeitskreises Lokale Ökonomie e.V. Das heißt konkret, unser Ziel ist es, breiten Bevölkerungsschichten zu einer gesunden, umweltbewussten Mobilität zu verhelfen, ohne dass dazu der Neukauf von „fabrikneuem Schrott“ (Billigräder), wie ihn Supermärkte zu Dumpingpreisen anbieten, nötig ist. Wir möchten, dass Sie Ihr Konsumverhalten überdenken und sich Ärger mit diesen Wegwerfprodukten (die zu einem solchen Preis natürlich nicht fachgerecht montiert sein können) ersparen.

2.) Gleichzeitig bemühen wir uns, Müll zu vermeiden und ein Bewusstsein für den Wert von „gutem Gebrauchten“ zu schaffen, indem wir zunächst auf die Möglichkeit der Reparatur eines schon vorhandenen Rades hinweisen. (Unser Motto: „Fast alles ist machbar“, nehmen wir ernst.) Sollten Sie dennoch auf dem Erwerb eines anderen, gebrauchten Rades bestehen, so ist auch dies gegen eine entsprechende Aufwandsentschädigung möglich. Bedenken Sie bitte dabei, dass das Fahrfertigmachen von uns gespendeten Schrotträdern (nehmen wir in kleinen Mengen gern an!) sowie der Zusammenbau eines individuellen Rades aus Einzelteilen eine sehr zeitaufwendige Sache ist und besonders in der Frühjahrssaison vom Nutzer unserer Angebote etwas Geduld erfordert.

3.) Deshalb, aber auch um technische Kenntnisse und Fähigkeiten und damit und damit verbundenes Selbstbewusstsein zu fördern, bieten wir neben der Fahrradreparatur die oben erwähnten Möglichkeiten für Bastler in Eigenregie an. Bauen Sie sich selbst kostengünstig Ihr individuelles „Traumrad“ aus Einzelteilen zusammen. Das bringt Ihnen eine Erfahrung, die Sie vielleicht bald nicht mehr missen mögen. Unser großes Lager liefert dazu günstig die nötigen Gebrauchtteile. Nur Verschleißteile, wie Ketten, Brems- und Schaltzüge, werden Sie eventuell im Fahrradfachhandel (zwei Läden in der Nähe) neu kaufen müssen.

4.) Hilfe zur Selbsthilfe können Sie von uns an zwei Tagen in der Woche erwarten, und zwar dienstags und donnerstags jeweils von 14 bis 18 Uhr. In dieser Zeit sehen wir uns Ihre Räder an (Schadensdiagnose), beraten Sie fair über die besten Möglichkeiten für Reparatur oder Austausch von Teilen, verleihen Werkzeug und fassen auch mit an, wenn Hilfe gebraucht wird Das Schrauben an den Rädern geschieht übrigens auf eigene Gefahr. Für Verletzungen, wie sie z.B. durch unsachgemäßen Gebrauch von Werkzeugen passieren können, haften wir nicht. Toilettenbenutzung und Händewaschen ist möglich. Dafür, aber auch um die monatlich anfallenden Mietkosten für die Werkstatträume bezahlen zu können, erwarten wir eine angemessene Spende, die an den Arbeitskreis abgeführt wird. Gebrauchte Fahrradteile können auch günstig zu circa 1/3 bis 1/2 des Neupreises (je nach Zustand) erworben werden. Das Leihen von Fahrrädern und Fahrradanhängern gegen eine geringe Gebühr ist ebenfalls möglich. Für Aktive (Vereinsmitglieder) des Arbeitskreises Lokale Ökonomie e.V. sind diese Leistungen als Teil der gegenseitigen Hilfe frei. Ausgenommen sind bestimmte Ersatzteile (Eigentum der Werkstattmitarbeiter), sowie umfangreiche Reparaturen, die in Auftrag gegeben werden und bei denen Sie nicht selbst mithelfen wollen oder können.

5.) Dieser Reparaturservice steht selbstverständlich auch allen Nutzern gegen ein sozialverträgliches Entgelt zur Verfügung. Wir bemühen uns, diesen marktbezogenen Teil unserer Arbeit, der als Teil der Neuen Arbeit uns Aktiven in der Nähe des Vereins ermöglicht wird (da wir nicht ganz ohne Geld auskommen können), von der Arbeit für den Verein zu trennen. Für die gewerbliche Nutzung der Werkstatträume zahlen wir einen Mietanteil an den Verein. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir an den anderen Tagen zwar eventuell anwesend sind, die Zeit aber für uns nutzen müssen, bzw. für Nutzer mit vorher vereinbarten Terminen, die zu den üblichen Zeiten nicht kommen können. Am Wochenende haben wir frei.

6.) Da wir grundsätzlich davon ausgehen, dass uns die Arbeit Spaß machen soll und wir nicht nach Gewinnmaximierung streben, können Sie von uns auch keine Servilität (dienstbare Haltung) erwarten. Hier werden Sie nicht bedient, sondern wir erwarten Ihre Mitarbeit in jeder Beziehung, auch was die Umgangsformen angeht, die nicht unwichtig für ein gutes Arbeitsklima sind. Hektik und Stress mögen wir nicht, auch weil sie häufig für Fehler und Pfusch verantwortlich sind.

7.) Irren ist menschlich. Auch wir sind nur Menschen und nicht unfehlbar. Fehler kommen vor, und sei es nur, dass man etwas vergisst. Zudem ‚steckt man in gebrauchten Teilen nicht drin’ und weiß nicht, wie lange sie es noch tun. Die Lebensdauer vieler Sachen hängt auch von ihrer schonenden Behandlung ab. Egal. Sollte sich aus dem einen oder anderen Grund ein Defekt einstellen, bitte nicht ärgern! Kommen Sie wieder zu uns (rechtzeitig) und wir werden den Fehler beheben.

8.) Wir kaufen keine Fahrräder, weil wir erstens genug Fahrräder haben und zweitens den Diebstahl von Fahrrädern nicht fördern oder unterstützen wollen. Der Tausch von Rädern gegen ein geringes Aufgeld oder die Inzahlungnahme des „Alten“ beim Erwerb eines „Neuen“ sind aber grundsätzlich möglich. Dabei gehen wir, wie bei den uns gespendeten Rädern, davon aus, dass sie das Eigentum des jeweiligen Spenders sind.

9.) Auch am Bau von Sonderrädern für Behinderte, Liege, - und Sitzrädern, sowie Transport-, Drei- und Vierrädern usw. sind wir als flexible und innovationsfreudige Fahrradenthusiasten, stets interessiert; sprechen Sie uns darauf an. Wir freuen uns über Ihre Ideen und Vorschläge.

10.) Wir sind offen für alle Bevölkerungsschichten, für Menschen aller Art. Alter, Geschlecht, Rasse, Religion, Volkszugehörigkeit und soziale Stellung spielen da keine Rolle. Deshalb erwarten wir auch von unseren Nutzerinnen und Nutzern entsprechende Toleranz und Rücksichtnahme im Umgang miteinander.

Hamburg, den 1. April 20006;

Volker Lange


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