Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg


Projektgemeinschaft gegenseitiger, solidarischer Hilfen

ThesenZumKlimaschutz

Mai 2010

Ein Diskussionspapier aus dem AK LÖK Hamburg

1.) Die durch den Klimabericht 2007 der Vereinten Nationen dargestellten Veränderungen des Erdklimas sind von Menschen erheblich mit verursacht. All die Zeit vorher hat es Klimaschwankungen gegeben, vor und nach Beginn der Wetteraufzeichnungen. Jedoch erst in den letzten Jahrzehnten wurde eine starke Erderwärmung bewirkt, die in ihrer Entwicklungsrichtung alle bisher festgestellten Schwankungen überlagert. Es wird global wärmer. Der Meeresspiegel steigt. Die Wüstenbildung nimmt zu. Die Gletscher und der Dauerfrostboden schmelzen ...

2.) Die globalen Auswirkungen dieser Erwärmung sind inzwischen deutlich zutage getreten. In einer Erdgesellschaft, in der Kapital, Geld und Waren eine wichtigere Rolle spielen, als die lebendigen Menschen, sind hauptsächlich ‚die Armen’ betroffen. Die reicheren Länder können sich eher helfen, erhöhen zum Beispiel die Deiche und verkaufen den anderen Klimaschutztechnologien. Manche kleinen pazifische Inseln versinken schon.

Nur ca. 0,1 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung wären laut UN-Bericht nötig, um das Problem zu lösen. Warum wird dieses Geld nicht bereitgestellt? Ist den Regierenden unsere Erde so wenig ‚wert’? Auch für die ‚Bankenrettung’ einge-setzten Gelder hätten wahrscheinlich sowohl das Problem des Welthungers als auch das Klimaproblem lösen können - wenn es überhaupt mit Geld allein lösbar wäre.

3.) Die technischen Lösungsmöglichkeiten, um die Klimaerwärmung zu stoppen, sind weitgehend bekannt. Es sind Energiesparen, Ausbau der erneuerbaren Energien (Wind- und Wasserkraft, Sonne, Erdwärme usw.) und ein energiesparender Umbau aller technischen Prozesse, in denen Treibhausgase freigesetzt werden, angefangen von den Hauptverursachern. Flugzeuge und Autos müssen beschleunigt auf umweltfreundlichere Antriebe umgestellt werden. Der Ausstoß von Rußpartikeln müsste schneller herabgesetzt werden.

4.) Nach Jahrzehnten der Verharmlosung und der halbherzigen Maßnahmen erkennt eine Mehrheit ‚der Politiker’ den Ernst der Lage. Jedoch noch sind global nur wenige Maßnahmen beschlossen und umgesetzt worden. Die Klimakonferenz von Kopenhagen ist gescheitert. Die Hauptverursacher sind kaum bereit, sich einzuschränken und nennenswerte Hilfen für die Entwicklungsländer bereit zu stellen. Einer schiebt das Scheitern wechselseitig auf den anderen. Stattdessen setzen in diesem Land die vorherrschenden Stromkonzerne und die gegenwärtige Regierung auf die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke, beschwören damit das Risiko eines weiteren schwerwiegenden Störfalles herauf und lassen riesige neue Kohlekraftwerke bauen.

5.) Ein wirksamer Klimaschutz ist in den letzten Jahren auch daran gescheitert, dass die Politiker „der“ Privatwirtschaft keine allzu engen Vorschriften machen wollten. Das „Investitionsklima“ sollte nicht gestört werden und war ihnen wichtiger als das Erdklima. Auch jetzt scheuen die meisten Politiker vor Eingriffen in die Privatwirtschaft zurück. Sie setzen weiterhin auf „freiwillige Vereinbarungen“ der Firmen untereinander. Dabei stehen all diese Firmen unter dem Zwang, aus Geld mehr Geld zu machen, oder sich von der Konkurrenz vom Markt verdrängen zu lassen. Klima- und Umweltschutz kann für sie hauptsächlich nur ein „Kostenfaktor“ sein. Ungehemmtes und staatlich gefördertes Wachstum der Privatwirtschaft hat zum Schaden der „umsonst“ vorhandenen Natur diese Klimaerwärmung mit hervorgerufen. Die Privatwirtschaft hat einerseits einen ungeheuren Güterreichtum geschaffen, allerdings auch die globale Armut eher verschärft. Weltweite strukturelle Armut und Hunger und wachsende soziale Ungleichheit haben dieselbe Ursache, wie die Klimakatastrophe.

6.) Es reicht in dieser Lage nicht, in der Energieerzeugung auf regenerative Energien zu setzen, da gerade die größten Erzeuger auch dieses Feld mit beherrschen wollen. Wir sollten auf eine dezentrale Energieerzeugung in basisdemokratischer Bestimmung durch die ‚Verbraucher’ selbst mit hinwirken. Dabei wird es in Deutschland auch wichtig sein, wie sich die Stadtwerke entwickeln.

7.) Das Internet erleichtert den Kontakt und die Verabredungen zwischen vielen Menschen, nicht nur innerhalb von „global players“. Da sich die Probleme der gegenwärtigen Produktions- und Herrschaftsweise allmählich zuspitzen, besteht auch die Chance, eine globale menschlichere Lösungsrichtung zu entwickeln. Eine wachsende Anzahl von Menschen kann sich in ihrem Nachbereich für aktiven Klimaschutz, für umweltfreundliches selbstbestimmtes Wirtschaften und gegen Sozialabbau einsetzen. Ein stärkerer Druck auf die Politiker kann verbunden werden mit von politischen Stellvertretern unabhängigen Aktivitäten.

8.) Als AK LÖK haben wir uns hauptsächlich gebildet für eine gegenseitige Hilfe, um ein Stück Erwerbsarbeit überflüssig zu machen und um Erfahrungen in selbstbestimmterem Leben und Wirtschaften zu sammeln. Wenn wir das wollen könnte der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen intensiver betrieben werden. Immerhin: Unsere Projekte zwei Umsonstläden, das Kleinmöbellager und die Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt haben schon etliches an Neuproduktion überflüssig gemacht. Wir beziehen Strom aus erneuerbaren Quellen von „Greenpeace energy“. Neuerdings gibt es bei unserem selbstorganisierten Bildungsprojekt Freie Uni Hamburg eine Gruppe „Regenerative Energien“. Können oder wollen wir irgendwann mal unseren eigenen Strom erzeugen? Wie wäre das möglich?

Bisher waren Umweltschutzorganisationen hilfreich bei Aufklärung und Protest. Sie reichen jetzt nicht mehr aus. Bedeutend mehr Menschen müssten aktiv werden. Ein gewisses Potential zeigte neulich die Anti-AKW-Menschenkette in Hamburg mit über 100 00 TeilnehmerInnen. Das Bündnis „Recht auf Stadt“ ermöglicht es uns vielleicht, mit vielen Basisaktiven in unserer Stadt gemeinsame Standpunkte und größere Wirkungen zu entfalten.



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