
Gedanken einer neuen Aktiven des AK LÖK
1. Zwei Umsonstläden, die davon leben, dass Menschen nicht mehr benötigte Kleingegenstände, Haushaltswaren, Bücher und Kleidungsstücke dort 'entsorgen' können, wissend, dass diese Sachen dann nicht der städtischen Müllverbrennungsanlage anheim fallen – sondern von anderen Menschen noch weiterverwendet werden.
2. Das Kleinmöbellager, dass auf gleiche Weise existiert – nur dass es sich hier um gespendete Möbel und Elektrogeräte handelt, die Menschen, die diese benötigen gegen eine Aufwandsspende hier erhalten können.
3. Ein gemeinsam genutzter Transporter, der es u.a. ermöglicht, angebotene Möbel von den Spendern abzuholen. Dieses Fahrzeug kann auch für private Zwecke von den Mitgliedern – gegen einen kleinen Unkostenbeitrag – in Anspruch genommen werden.
4. Die Fahrrad (-Selbsthilfe) – Werkstatt, wo tatkräftige Unterstützung bei Problemen mit dem Fahrrad geleistet wird. Mitglieder und Nutzer können günstig gebrauchte Fahrräder, die aufgearbeitet sind, erwerben.
5. Die Kreativ-Werkstatt, wo unter mehr oder weniger Anleitung genäht und gebastelt werden kann.
6. Die Stadtteil – Reparatur – Werkstatt, wo Mitglieder und Nutzer unter Anleitung defekte Gegenstände und Elektrogeräte repariert werden können, wobei der Werkzeug – Pool derzeit noch eingeschränkt ist, da sich die Sache noch im Aufbau befindet.
7. Die Krönung des Ganzen, die Freie Uni: Unter dieser Bezeichnung finden sich Gruppen zusammen, in denen Menschen gemeinsam versuchen, ihre Wissenslücken zu verkleinern bzw. ihre Kenntnisse austauschen oder vertiefen. Die Motivation ist hier Interesse und Lust an der Sache / an dem Thema.
Zweck dieser ganzen Teilprojekte des AK LOEK ist nicht der Profit! Die Spenden müssen erhoben werden, um die anfallenden Kosten für die Raummieten und das Fahrzeug zu decken. Jegliche Ambition in den Projekten ist seitens der Vereinsmitglieder ehrenamtlich, d.h. unbezahlt und freiwillig (wobei sich natürlich an Absprachen gehalten werden muss).
Was ist der Nutzen konkret? Auf materieller Ebene steht es den aktiven Vereinsmitgliedern frei, sich an den eingehenden Spenden zu bedienen. „Ich will haben“ kann also flott ausgelebt werden. Dabei ist es von Vorteil, wenn man keine konkreten Bedürfnisse / Vorstellungen hat. Braucht man eine Lampe oder muss es unbedingt ein Kronleuchter sein? Trifft letzteres zu, hat man eventuell ein gutes Übungsfeld für Geduld. Interessant wird es, wenn der Sättigungspunkt von „Ich will haben“ überschritten wurde und man zu der Erkenntnis kommt: „Ich habe eigentlich alles, was ich wirklich brauche“, und vieles ist vielleicht sogar unnötiger Ballast. Und man gerät ins Staunen über den hierzulande herrschenden Überfluss. Dies kann dazu führen, dass man eventuell gerne etwas von seinen Schätzen, die man nicht unbedingt braucht, in die Läden zurückträgt, wissend, dass man etwas anderes gewinnt – nämlich Raum – und Andere sich möglicherweise genau über diese Sachen freuen und sie gebrauchen können. Und es stellt sich die Frage: Wie wichtig sind Güter überhaupt, welchen Stellenwert haben sie im Leben? Was brauch ich? Was engt mich ein, belastet mich bloß? (im Sinne von: Eigentum verpflichtet, man muss es beschützen, pflegen, verwalten!) Eine weitere Frage, die zwangsläufig auftaucht ist: Wofür gehe ich arbeiten / Geld verdienen?
weil ich mich anderweitig nicht zu beschäftigen weiß? weil ich Angst habe zu verhungern oder zu erfrieren? weil man das eben tut, um ein angesehener Teil dieser Gesellschaft zu sein? weil ich mich über meine Arbeit identifiziere („ich bin das + das“) ? weil ich mir dies und das kaufen will, um mich von meinen Zeitgenossen abzuheben ?
Wenn ich Güter, die ich sonst kaufen müsste, umsonst bekomme, was bedeutet das dann? De fakto könnte ich weniger arbeiten oder mehr sparen. Sparen – wofür? Das letzte Hemd wird sowieso verbrannt oder von den Würmern zerfressen, auch wenn es aus Seide ist.
Was bedeutet sinnvoller Einsatz von Geld / Gütern und FREIHEIT ? Was hat Wert? In Bezug auf Gegenstände hatte 'Made in Germany' einmal einen großen Wert, denn es waren hochgradig kreative, innovative Geister am Schaffen, die das Positive für ihre Zeitgenossen wollten: „Unsere Geräte halten 30 Jahre“ wurde z.T. nicht nur proklamiert, sondern stimmte sogar. Wir leisteten uns keinen Pfusch, das ist unserer nicht würdig. So war das mal. Und heute? Egal – Hauptsache billig. Und am besten kurzlebig, damit Neues gekauft werden muss. (Dazu eine kleine Beobachtung: Bei jedem größeren Regenschauer sind die Hamburger Mülleimer an den Bushaltestellen gefüllt mit Regenschirmen aus dem Billig-Segment...)
Was eigentlich Wert hat, ist die Idee, die nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt wird – im Sinne des Positiven (gut, wahr, schön).
Und wie ist es mit der Achtung? Was nicht geachtet wird, kann auf den Müll oder in unsere Läden: Wir verwalten den Wohlstandsmüll, jawohl. Persönliches Pech, wenn man bestimmte qualitative Maßstäbe voraussetzt (anstatt sich über das zu freuen, was kommt.)
Abgesehen von Fahrrad – und Kreativ – und Reparatur – Werkstatt verwalten wir den 'Müll' der Überfluss – Gesellschaft bzw. verteilen diesen um. Der Vorteil der Vereinsmitgliedschaft ist das Vorauswahl-Recht. Was bedeutet gegenseitige Hilfe? Dann kriege ich wirklich das, was ich brauche, nicht den zufälligen Überschuss. Aber hier fängt die Sache an, persönlich zu werden. Wer kann mir das geben, was ich will / brauche? Und letztendlich geht es dann um Fähigkeiten, die Voraussetzung dafür sind, dass verabredetet Produktion unmittelbar füreinander stattfinden kann – neben den dafür nötigen Werkzeugen.
Inwiefern man als Vereinsmitglied in den Prozess kommt, 'was brauche ich wirklich?' 'Wie gut kann ich Nein sagen?' (… zu Angeboten und Nachfragen ) Das kann nicht pauschalisiert werden und ist individuell unvorhersehbar. Nicht jeder wird zu einem Diogenes werden.