Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg


Projektgemeinschaft gegenseitiger, solidarischer Hilfen

Zum Verständnis der Umsonstläden


Stresemannstraße

Spielregeln
Die Umsonstläden sind keine Tauschläden. Es muss weder bezahlt, noch müssen Dinge direkt getauscht werden. Bringen und Holen, Geben und Nehmen sind hier entkoppelt, man kann nur Geben, man kann nur Nehmen, oder beides tun. Die Dinge sind hier alle Gebrauchsgegenstände, sie haben bei uns keinen Tauschwert, keinen Preis. Es können alle möglichen Dinge gebracht werden, die ein Mensch tragen kann, Kleidung sollte gewaschen und nicht kaputt sein (Bitte, nicht mehr als 5 ‚gute Stücke’ bringen).
Haushaltsgeräte sollten funktionieren. Für größere Gegenstände gibt es zwei Pinnwände, auf die, mit Datum und den entsprechenden Telefonnummern versehen, Gesuche und Angebote zum Verschenken aufgehängt werden. Sie können dann entsprechend direkt privat abgeholt werden.
Die Mitnahme von Gegenständen ist bei einem Besuch an einem Tag beschränkt auf drei Teile. Diese 3-Teile-Regel hat den Sinn, dass nicht wahllos alles Mögliche mitgenommen wird, weil es kostenlos ist, sondern dass man beginnt nachzudenken, was man jetzt wirklich braucht und was nicht.
Die Dinge sollen dem persönlichen Gebrauch (als persönliche Habe) dienen und nicht (z.B. auf Flohmärkten) weiterverkauft werden. Wer gegen diese Regel verstößt, dem kann ein Ladenverbot ausgesprochen werden. Die Nutzerinnen und Nutzer werden um eine freiwillige Spende gebeten, die der Finanzierung der Ladenmiete dienen soll. Die Spende ist nicht daran geknüpft, ob man Dinge mitnimmt.

Die Aktiven der Umsonst-Läden-Projektgruppe
Seit über 10 Jahren machen inzwischen ca. 20 Aktive, ein relativ fester Kreis von Leuten, die 'Schichten' (jeweils eine Öffnungszeit von zwei bis drei Stunden). Es sind Aktive aus allen Altersgruppen, beiderlei Geschlechts. Sie kommen aus verschiedenen Schichten (Erwerbslose, Berufstätige, Studierende, Rentnerinnen und Rentner). Die meisten Aktiven waren zuvor NutzerInnen des Umsonstladens, die sich nach mehrmaligem Besuch dazu entschieden, selbst bei einer Schicht mitzumachen.
Es kann prinzipiell jeder mitmachen, der bereit ist, zusätzlich zu den Schichten am monatlichen Umsonst-Laden-Projekttreffen (in der Regel am ersten Montag im Monat!) teilzunehmen und so sein Interesse an Mitverantwortung und Mitgestaltung auszudrücken. Bei diesem Treffen werden Schichten eingeteilt und alle gemeinsamen Angelegenheiten, die direkt den Umsonstladen betreffen, besprochen und entschieden, sowie Erfahrungen ausgetauscht. Für manche Abteilung gibt es eine oder mehrere Personen, die sich für den Bereich zuständig fühlen (z.B. Bücher, Kleidung).
Die Schichtverantwortlichen gestalten bis auf die verabredeten Minimalspielregeln ihre Schicht autonom. Das schließt jedoch eine Verpflichtung zu Kontakt und gegenseitiger Absprache (Projekttreffen) ein.

shoplesslivemore Die gesellschaftliche Seite der Umsonstläden
Die Umsonstläden öffnen sich der ganzen Gesellschaft. Er ist nicht nur auf eine Gemeinschaft (Freundeskreis z.B.) zur Nutzung beschränkt. Er richtet sich auch nicht allein an bedürftige Menschen (Man muß z.B. nicht seinen Sozialhilfeausweis vorzeigen, um Dinge mitnehmen zu können). Im Projekt Umsonstladen passiert im Kleinen etwas, eine Nutzung von Gegenständen ohne Tausch von Sachen oder Geld, was auch in der Gesellschaft möglich sein sollte. Inzwischen gibt es gut 50 Umsonstläden mit unterschiedlichem Selbstverständnis und einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch unter einem Teil von ihnen.

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Die ökologische Seite der Umsonstläden
Brauchbare Dinge werden nicht einfach auf den Müll geworfen, sondern der weiteren Nutzung zugeführt, sozusagen recycelt. Es fliegen viele Dinge, die noch gebrauchsfähig sind, auf den Müll und belasten so die Umwelt. Durch den achtsamen Umgang mit den Dingen scheint sich bei einigen NutzerInnen das Verhältnis zum Eigentum zu verändern. Manche Dinge, die man im Umsonstladen findet, nimmt man mit, weil man sie nur für eine begrenzte Zeit benötigt. Man bringt sie wieder zurück, wenn man sie nicht mehr braucht. Z.B. nimmt man einzelne Kleidungsstücke mit, um sie mal auszuprobieren.

Die Umsonstläden - Projekte in einer Projektgemeinschaft gegenseitiger Hilfe
Alle Projekte sind selbstständig, entscheiden selbst in Kontakt mit den anderen über das, was sie tun. Es gibt noch das Kleinmöbellager, die Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt, die Kreativ-Werkstatt und das Bildungsprojekt "Freie Uni Hamburg". Der gemeinsame Treffpunkt für Aktive aus den verschiedenen Projekten, wo auch ein Austausch zwischen den Projekten stattfindet, sind die vierzehntägigen Donnerstagssitzungen des Arbeitskreises Lokale Ökonomie. In diesem Sinne sind die Umsonstläden Teil des Arbeitskreises.

Dieser verfolgt das Ziel, unabhängig vom Markt eine demokratisch wirtschaftende Projektgemeinschaft aufzubauen.
· In der Projektgemeinschaft soll versucht werden, Wege zu finden, nach denen die einzelnen Projekte gut zusammenwirken, um die Lebensqualität der Beteiligten unabhängig vom Geldbesitz zu verbessern.

· Es wird eine gegenseitige Hilfe angestrebt. Jede/r Aktive kann – freiwillig natürlich - seine Fähigkeiten den anderen kundtun und anbieten. Jeder soll das einbringen, was sie/er will und kann bzw. nach dem fragen, was er/sie braucht.
· Die Aktiven unterstützen sich auch gegenseitig bei der Suche nach erträglicher Erwerbsarbeit, die noch Zeit lässt für gemeinschaftliches Tun. Dafür gibt es auch ein selbstorganisiertes Beratungsangebot.
· Die anfallenden gemeinsamen Aufgaben der Projektgemeinschaft werden arbeitsteilig, nach gemeinsamer Entscheidung erledigt. Den Aktiven der verschiedenen Projekte stehen die Leistungen der anderen Projekte umsonst zur Verfügung. Der Umsonst-Laden trägt über die Liste der Bedürfnisse zur Projektgemeinschaft bei, d.h. jeder Aktive der Projektgemeinschaft kann in einer Liste Dinge eintragen, die er / sie braucht. Sobald ein solcher Gegenstand in einem der Umsonstläden abgegeben wird, wird er vorrangig für sie/ihn zurückgelegt. Diese gegenseitige Hilfe ist für Aktive zum einen attraktiv, zum anderen können wir uns vom Markt unabhängiger machen.

· Die Projektgemeinschaft ist ein offenes Projekt. Jeder Interessierte kann in einer Gruppe mitmachen oder eine eigene Projektidee vorstellen.

Der Arbeitskreis Lokale Ökonomie ist nicht auf staatliche Unterstützung orientiert, sondern selbstorganisiert. Die Projektgemeinschaft finanziert sich über freiwillige Beiträge der Mitglieder, Spenden der Umsonstladen-NutzerInnen und aus der Abgabe von Kleinmöbeln gegen eine Aufwandsspende zur Deckung der Unkosten.

Papier aus der Umsonstladen-Projektgruppe - Stand vom September 2009


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